Das in Namibia an Bord einer Air-Berlin-Maschine entdeckte verdächtige Gepäckstück sei ein sogenannter Realtest-Koffer aus US-Produktion gewesen, sagte Thomas de Maizière (CDU) am Rande der Innenministerkonferenz in Hamburg. Solche Test-Koffer werden genutzt, um Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. In dem Koffer sei kein Sprengstoff festgestellt worden. Zu keiner Zeit habe eine Gefahr für die Passagiere des betroffenen Flugzeugs bestanden. 

Experten des Bundeskriminalamtes hätten am Ort herausgefunden, dass es sich bei dem verdächtigen Gepäckstück um einen sogenannten Realtest-Koffer einer Firma aus den USA handele. Die Firma stelle Alarm- und Detektionssysteme her. Es werde geprüft, ob, wann und an wen der Koffer verkauft worden sei, sagte de Maizière.

Nach Angaben der örtlichen Polizei wurde der Koffer von der US-Firma Larry Copello Inc. hergestellt. Es sei aber unklar, wer das Gepäckstück auf dem Flughafen in Windhuk platziert habe, sagte Namibias Polizeichef Sebastian Haitota Ndeitunga. Die Attrappe habe sich in einer Laptop-Tasche ohne jeden Gepäckanhänger befunden.

Nach angaben von Innenminister de Maizière handelt es sich möglicherweise um eine Art Testlauf mit einem Dummy einer Behörde. Der CDU-Politiker schließt nicht aus, dass der verdächtige Koffer in Namibia möglicherweise von den deutschen Sicherheitsbehörden selbst dort platziert wurde. "Ich halte das für sehr unwahrscheinlich", sagte er. Aber auch das werde "selbstverständlich" Gegenstand der Ermittlungen sein. Derartige Koffer würden dazu verwendet, Sicherheitsmängel aufzudecken. De Maizière sagte, er halte keine Informationen, die ihm vorlägen, zurück.

Beim Durchleuchten des Gepäckstücks waren Batterien sichtbar geworden, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden gewesen waren. Das verdächtige Gepäckstück befand sich in einer Flughafenhalle, in der zuvor das für den München-Flug bestimmte Gepäck gelagert worden war. Nach Angaben von Air Berlin war die Maschine schon beladen, als das Gepäckstück in der Halle entdeckt wurde. Es war nicht ausdrücklich an Deutschland adressiert: Das Gepäckstück habe keinen Ziel-Aufkleber gehabt, sagte eine Sprecherin von Air Berlin.

Die Maschine war am Mittwoch in Namibia mit sechseinhalbstündiger Verspätung gestartet. Vor dem Abflug waren die Passagiere nochmals durchsucht worden. Die Maschine landete nachts wohlbehalten in München. Dort wurde das Gepäck ein weiteres Mal durchleuchtet, die Bundespolizei befragte die Fluggäste. Neue Erkenntnisse hatten sich aber nicht ergeben.