Ein Tag nach den Anschlägen in zwei Botschaften in Rom ist ein Bekennerschreiben gefunden worden. Es habe sich in einer kleinen Schachtel befunden, die neben einem der verletzten Botschaftsmitarbeiter gelegen habe, teilte die Polizei mit. In dem Schreiben hieß es: "Wir haben uns entschlossen, von Neuem unsere Stimme zu Gehör zu bringen, mit Worten und Taten. Wir zerstören das Herrschaftssystem." Es wurde von der Revolutionären Zelle Lambros Fountas unterzeichnet – der Name ist eine Anspielung auf den gleichnamigen griechischen Anarchisten, der im März bei einen Zusammenstoß mit der Athener Polizei ums Leben kam. Damit bestätigten sich die ersten Mutmaßungen der Ermittler.

"Wir verfolgen eine anarchistisch-aufständische Spur", hatte Innenminister Roberto Marini kurz nach den Anschlägen gesagt. Es gehe um eine äußerst gewalttätige Gruppe, die auch in Spanien und Griechenland aktiv sei und deren Mitglieder engen Kontakt hielten.

Die Zelle Lambros Fountas ist Teil der anarchistischen Bewegung der Informellen Anarchistischen Föderation (FAI). Sie wird von den italienischen Behörden als terroristische Bedrohung gesehen. Im Dezember 2009 bekannte sie sich zu einer Explosion in einem Tunnel unter einer Mailänder Wirtschaftshochschule. Durch diesen Sprengsatz wurde niemand verletzt. 

Der griechische Name Lambros Fountas und weitere Ausführungen in dem  Schreiben lassen nach den ersten Erkenntnissen der Ermittler darauf schließen, dass es der italienischen Anarcho-Gruppe auch im Fall der chilenischen Botschaft um einen internationalen Bezug ihrer terroristischen Aktivitäten ging. Nach italienischen Medienberichten arbeitet die griechische Polizei mit den Fahndern in Rom zusammen, da die in Rom entdeckten Sprengkörper Ähnlichkeiten mit den Briefbomben aufweisen, die vor einigen Wochen in Griechenland aufgetaucht waren.

Einen Tag vor Weihnachten hatte in der schweizerischen Botschaft in Rom ein Mitarbeiter der Poststelle schwere Verletzungen erlitten, als ein Paket in seinen Händen explodiert war. Auch in der chilenischen Botschaft wurde ein Mensch nach der Detonation eines Pakets verletzt. Im Zuge der Kontrollen in allen Botschaften in Rom gab es anschließend in den Vertretungen der Ukraine, Sloweniens und Estlands Fehlalarm. Die Staatsanwaltschaft ermittelt  wegen Terrorverdachts.

Beide Bomben von der Größe einer Videokassette befanden sich in gelben Umschlägen. Die an die chilenische Botschaft in Rom adressierte Paketbombe wurde nach Behördenangaben in Italien aufgegeben. Bei der Explosion der anderen Paketbombe seien dagegen alle Spuren vollständig vernichtet worden. Als sicher gilt dennoch, dass beide Briefbomben von italienischen Anarchisten stammen.

Erst Anfang November hatten europaweit verschickte Paketbomben für Aufregung gesorgt. Damals erhielten mehrere Botschaften in der griechischen Hauptstadt Athen sowie das Kanzleramt in Berlin explosive Post. Auf dem Flughafen der italienischen Stadt Bologna ging damals ein Paket in Flammen auf, das an Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi adressiert war. Urheber sollen seinerzeit griechische Linksextremisten gewesen sein.