Hohe Ehren für Wikileaks-Gründer Julian Assange : Die Zeitung Le Monde kürt ihn zum "Mann des Jahres" und das Magazin Paris Match veröffentlicht ein vierseitiges Interview, in dem Assange von neuen Enthüllungen spricht: "Wir haben erst ein Fünfzigstel unserer Mission erfüllt".

Besonderes Lob fand Assange in dem Interview auch für die Deutschen. Mit Blick auf die teilweise herbe Kritik gegen ihn in Frankreich, meinte der 39-jährige Australier: "Die Deutschen haben wegen ihrer Vergangenheit eine ganz andere, nuanciertere Art darauf zu antworten. Deren Antwort lautet: Für eine transparente Regierung, gegen transparente Bürger!"



Assange lebt derzeit unter strengen Auflagen in Großbritannien. Er kam dort gegen Kaution aus der Haft. Assange richtete scharfe Kritik an die US-Regierung. "Das amerikanische System nähert sich dem sowjetischen Modell", sagte Assange. Er hielt Washington vor, Finanzinstitutionen wie Visa, MasterCard, PayPal oder die Bank of America für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Er bezifferte den Verlust von Wikileaks allein durch die von MasterCard verfügte Sperre auf 80.000 Euro pro Tag. Trotz der Anfeindungen und der juristischen Schwierigkeiten von Wikileaks, gab sich Assange kämpferisch. Die Möglichkeit eines Spionageverfahrens in den USA nehme er Ernst. Für Wikileaks ändere sich aber nichts. "Wir haben keine Wahl: entweder veröffentlichen oder untergehen."

In einem Interview mit dem TV-Sender MSNBC wehrte sich Assange gegen teilweise heftige Kritik in den USA. Er nannte die beiden republikanischen Politiker Sarah Palin und Mike Huckabee "Idioten, die sich einen Namen machen wollen". Es gebe eine politische Hetzjagd gegen ihn. Es könne nicht geduldet werden, "dass hochrangige Leute im landesweiten Fernsehen dazu aufrufen, das Rechtssystem zu umgehen und illegal Menschen zu ermorden". Huckabee hatte zur Todesstrafe für denjenigen aufgerufen, der die Geheimdaten an Wikileaks weitergegeben haben könnte.

Le Monde widmete in ihrem Magazin Assange die Titelseite. Das Blatt hatte gemeinsam mit anderen internationalen Medien von Wikileaks veröffentliche vertrauliche US-Depeschen ausgewertet. Umfragen der Zeitung unter seinen Lesern ergab, dass 56 Prozent hinter Assange stehen.

Die Internetplattform hat zuletzt Hunderte von geheimen Depeschen von US-Diplomaten in aller Welt veröffentlicht und damit dem US-Außenministerium viele peinliche Momente beschert. Teilweise haben die an die Öffentlichkeit geratenen vertraulichen Informationen die Beziehungen der USA zu anderen Staaten belastet.