Trotz Feldbetten mussten viele Passagiere in den Terminals des Pariser Flughafen Charles de Gaulle auf dem Boden schlafen. Fast 2000 Menschen konnten in der Nacht zum Freitag ihre Reise nicht antreten. Bereits am Morgen strich die Zivilluftfahrtbehörde DGAC 400 der geplanten 1160 An- und Abflüge. 

"Es gibt kein Chaos im Zugverkehr, es gibt kein Chaos auf den Straßen, aber es gibt ein echtes Problem beim Enteisungsmittel, das zur Zeit auf dem Flughafen fehlt", sagte der für den Verkehr zuständige französische Staatssekretär Thierry Mariani dem Rundfunksender France Inter . Die europaweite Nachfrage nach dem Enteisungsmittel Glykol sowie der Streik beim französische Glykol-Hersteller hätten zu dem Engpass geführt. "Die Produktion wird erst am Montag wieder angefahren", sagte Mariani. Nach Informationen des TV-Senders BFM soll es aus Deutschland sowie per Frachtflieger aus den USA importiert werden.

Zugleich sah Mariani die Airlines bei der Versorgung in der Pflicht. "Was da passiert, ist nicht normal; die (Flug-)Gesellschaften haben die Pflicht zu helfen, Orientierung zu geben und eventuell das Ticket zu ersetzen." Einige Airlines hätten gut reagiert, andere weniger. Ein Air-France-Manager sagte, die Airline werde versuchen, am Nachmittag alle Wartenden bevorzugt zu transportieren, sofern es keine weiteren Behördenbeschränkungen gebe.

Die gestrandeten Passagiere beklagten vor laufender Kamera vor allem einen Mangel an Informationen. Vor den Schaltern bildeten sich schon am Morgen lange Warteschlangen. Von den Ausfällen betroffen waren vor allem Kurz- und Mittelstreckenflüge.

Nicht genug damit, dass fast 2000 Passagiere auf Europas drittgrößtem Flughafen festsaßen – einige mussten auch noch Terminal 2E verlassen. Dort drohte ein Hallendach unter den Schneemassen nachzugeben. Es ist das gleiche Terminal, dessen Dach im Jahr 2004 kurz nach seiner Eröffnung eingestürzt war und vier Reisende getötet hatte.

Auch in Deutschland kam es durch starke Schneefälle und Eisregen vor allem im Westen und Norden der Republik zu Störungen im Flugverkehr. Am Düsseldorfer Flughafen können seit elf Uhr zwar wieder Flugzeuge starten, der Flugbetrieb erfolgte aber nur über eine Start- und Landebahn, wie ein Flughafensprecher mitteilte. Daher müssen Passagiere auch im Laufe des Tages mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Am Morgen wurden etwa 65 der insgesamt 335 geplanten Starts und Landungen gestrichen, zum Teil auch wegen der Wetterverhältnisse an anderen Flughäfen.

In Frankfurt verlief ebenso wie in Berlin und Hamburg der Flugbetrieb zunächst weitgehend normal, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Am Donnerstagabend hatte es bereits geheißen, nach tagelangen Flugausfällen laufe auch auf dem größten europäischen Flughafen in London-Heathrow fast alles wieder normal.