Die Jugendkammer des Hamburger Landgerichts folgte in ihrem Urteil der Auffassung der Staatsanwaltschaft. Zwei Mitangeklagte wurden wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Woche Jugendarrest beziehungsweise einer Arbeitsauflage verurteilt. Die Öffentlichkeit war von der Urteilsverkündung ausgeschlossen.

Mit den Worten "Was guckst du?" hatte die Auseinandersetzung im Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg begonnen. Das spätere Opfer war an dem Abend mit einem Freund auf dem Weg in die Disko. Nach der Provokation aus der Gruppe um den Verurteilten kam es zum Streit. Daraufhin sollen die Jugendlichen den 19-Jährigen umringt und auf ihn eingeschlagen haben. Plötzlich holte der 16-Jährige mit einem Messer aus und stach in den Oberkörper des jungen Mannes, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Das Opfer konnte sich noch auf einen U-Bahnsteig schleppen und verblutete dort. Der tödliche Angriff wurde von Überwachungskameras in der Station aufgezeichnet.

Das Gericht bewertete die Tat als "vollkommen grundlos". Das Opfer habe zu keinem Zeitpunkt Veranlassung zur Tat gegeben, sondern im Gegenteil beschwichtigend auf die Gruppe um den Täter reagiert, sagte Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn. Dennoch habe der Angeklagte den jungen Mann mit einem Klappmesser attackiert und dabei dessen Tod billigend in Kauf genommen. Der zehn Zentimeter tiefe, wuchtige Stich traf ins Herz.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft entstand die Tat "aus Machtgehabe heraus". "Der Angeklagte wollte unbedingt als Überlegener aus der Auseinandersetzung herauskommen und hat den Tod des 19-Jährigen dabei in Kauf genommen", sagte Möllers. Der Angeklagte sei seinem Opfer mit dem ausgeklappten Messer noch hinterher gelaufen.

Er habe sein Opfer lediglich am Oberarm verletzen wollen, sagte der Angeklagte in der Hauptverhandlung. Deshalb plädierte sein Anwalt Uwe Maeffert auf Körperverletzung mit Todesfolge. Er kündigte an, gegen das Urteil in Revision zu gehen.

Der Vertreter der Nebenklage, Oliver Tolmein, zeigte sich zufrieden. "In dem Urteil wird zum Ausdruck gebracht, dass der erzieherische Gedanke des Jugendstrafrechts zur Folge haben kann, dass auch harte Urteile ausgesprochen werden."

Als "zufriedenstellend" bezeichnete auch Kristina Erichsen-Kruse vom Weißen Ring das Urteil. Für die Eltern ende eine lange Zeit höchster Anspannung, so die Vertreterin des Opferschutzes. Das Urteil sei aber auch eine Chance für den Täter: Der Täter sei kein dummer Junge und werde versuchen, noch etwas aus seinem Leben zu machen.

Die Bluttat am Jungfernstieg mitten in der Hamburger Innenstadt hatte Diskussionen über Integration und Jugendgewalt angeheizt und auch für scharfe Kritik an der Justiz gesorgt. Denn bereits als zehnjähriges Kind hatte der nun Verurteilte die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Die Behörde hatte ihn vor der Messerattacke schon dreimal angeklagt – unter anderem, weil er einem Lehrer den Kiefer gebrochen und den Leiter eines Supermarkts verprügelt haben soll.

Doch die einzige Strafe für den Intensivtäter waren fünf Arbeitsauflagen. Auch seine beiden Brüder sind polizeibekannte Wiederholungstäter. Die drei Geschwister – alle tragen Namen von Erzengeln und Propheten – sollen auch gemeinsam Straftaten begangen haben.