Pünktlich zum Welttag gegen die Korruption hat die Antikorruptionsorganisation Transparency International eine neue Studie zur weltweiten Bestechung vorgelegt. Diesem Korruptionsbarometer zufolge – befragt wurden mehr als 91.000 Menschen in 86 Ländern und Regionen – hat einer von vier Bürgern weltweit in den vergangenen zwölf Monaten Bestechungsgeld an Behörden oder Institutionen gezahlt. Rund die Hälfte von ihnen wollte so Probleme umgehen, rund ein Viertel Behördenvorgänge beschleunigen.

Am weitesten verbreitet waren Schmiergeldzahlungen in Afrika südlich der Sahara, berücksichtigt wurden vor allem geringere Zahlungen etwa an Gesundheitsbehörden, die Polizei oder Steuereinrichtungen. Hier zahlte mehr als die Hälfte der Befragten in diesem Jahr Schmiergelder an korrupte Beamte. Danach folgten der Nahe Osten sowie Nordafrika, wo gut ein Drittel von solchen Zahlungen berichtete. Bezogen auf einzelne Länder waren Afghanistan, Kambodscha und Kamerun, aber auch Indien und der Irak, die Palästinensergebiete und Sierra Leone auf den vorderen Plätzen.

Europa und Nordamerika folgen mit großem Abstand: Hier lag der Anteil derer, die in den vergangenen zwölf Monaten Bestechungsgelder zahlten, bei fünf Prozent. Allerdings wird in den westlichen Industrienationen die Korruptionsentwicklung in den vergangenen drei Jahren besonders schlecht beurteilt – was die Experten von Transparency überraschte. So sind 73 Prozent der Befragten in Europa und 67 Prozent in Nordamerika der Ansicht, dass sich die Lage verschlechtert habe.

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström sind diese Zahlen zu hoch. Sie will härter gegen Korruption in den EU-Mitgliedsstaaten vorgehen. "Wir hoffen, nächstes Jahr ein Anti-Korruptionspaket präsentieren zu können", sagte sie. Dazu seien eine neu gefasste EU-Strategie zur Korruptionsbekämpfung sowie schärfere Kontrollmechanismen geplant. Die Maßnahmen, die bis jetzt in der EU ergriffen worden seien, hätten noch keine überzeugenden Ergebnisse gebracht, begründete Malmström den Schritt. Deutlichstes Zeichen seien die neuen Umfrageergebnisse. 

Die EU-Kommissarin kritisierte zudem, dass die einzelnen Mitgliedstaaten die EU-Regeln gegen Korruption nur sehr uneinheitlich umsetzten. "Das gilt auch für die wichtigsten internationalen Regeln und Kontrollmechanismen; sie werden in der EU sehr unausgewogen umgesetzt." Malmström regt nun an, dass die einzelnen EU-Länder ab 2012 regelmäßig darüber berichten, wie sie Korruption bekämpfen. Sie warnte außerdem davor, das Ausmaß der Korruption in Europa zu unterschätzen. "Es gibt in Europa keine korruptionsfreien Zonen."