Hunderte von Bahnreisenden haben wegen der starken Schneefälle die Nacht zum Donnerstag auf dem Frankfurter Hauptbahnhof verbracht. Sie wollten nach Angaben eines Bahn-Sprechers nach Ostdeutschland reisen, ihre ICE-Züge endeten aber vorzeitig in Frankfurt. Da wegen einer Messe in der Stadt kaum Hotelzimmer zur Verfügung standen, wurden die Passagiere in Schlafwagenzügen untergebracht.

Auch auf dem Leipziger Hauptbahnhof zeigten die Anzeigentafeln Verspätungen in Serie. Etliche Reisende, deren Anschlusszüge am Abend ausfielen, verbrachten die Nacht auf dem Bahnhof oder in Aufwärmzügen. Helfer schenkten kostenlos Tee und Kaffee aus. 

Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) musste wegen des Wetters seine Pläne ändern. Eigentlich wollte er per Hubschrauber ins niedersächsische Wendland fliegen, um erstmals das mögliche Atommüll-Endlager Gorleben zu besuchen. Schnee und Eis verhinderten den Flug. Röttgen disponierte um und stieg zusammen mit Mitarbeitern und Journalisten am Berliner Hauptbahnhof in einen Regionalexpress nach Wittenberge, von dort ging es mit dem Auto weiter.

Starke Schneefälle in Verbindung mit eisigen Temperaturen und heftigem Wind störten in vielen Teilen Deutschlands den Verkehr massiv: Die Bahn stellte den Fernverkehr zwischen Leipzig und Nürnberg zeitweise ein. Im thüringischen Saalfeld war ein ICE-Lokführer gezwungen, die Fahrt nach München zu stoppen. Die 165 Fahrgäste wurden von Feuerwehrleuten und Rettungshelfern mit Wolldecken, Essen und Getränken im Zug versorgt. 

Im Norden und Osten Deutschlands bedeckten bis zu 15 Zentimeter Schnee die Straßen. Der Verkehr auf der A 7 bei Flensburg kam teilweise zum Erliegen. An der Ostseeküste wehten zudem heftige Böen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) erwartet an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins Sturmfluten mit Wasserständen von 1,1 Metern über dem Normalstand.

Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt führten die Schneeverwehungen auf den Straßen zu Problemen. In der Sächsischen Schweiz wurde Alarmstufe violett angesagt – die höchste Stufe überhaupt. An manchen Orten fiel 30 Zentimeter Neuschnee, Lastwagen und Autos blieben stecken. Auf der A2 führten Schnee und Wind zu stockendem Verkehr und Staus. In Thüringen waren die A4 und A9 betroffen. 

In Bayern kam es zu einem tödlichen Unfall, als ein Lastwagen auf einem Bahnübergang bei Nürnberg von einem Zug erfasst wurde, weil das Fahrzeug stecken geblieben war. Im Zug wurden vier Passagiere verletzt – die Strecke von Bayreuth nach Nürnberg wird deshalb bis in die Morgenstunden gesperrt sein. Eine 30-jährige Frau starb, als sich ihr Auto bei Aschaffenburg auf glatter Straße überschlug.

Momente - Momente: Der erste Schnee in Berlin

Zwar hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Unwetterwarnungen für Niedersachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Bayern auf – doch das Wetter wird den Verkehr weiter behindern. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, wird es in viele Teilen Deutschlands zu erheblichen Störungen kommen. Auslöser sind Schnee auf den Gleisen, umgestürzte Bäume auf den Schienen oder zerstörte Oberleitungen und Weichen. Besonders stark betroffen ist der Bahnhof Leipzig – hier hält wegen witterungsbedingter Weichenstörungen kein Fernverkehrszug mehr. Auch die Strecke Hamburg – Kopenhagen wird nicht befahren.

An den größten deutschen Flughäfen in Frankfurt und München hielten sich die Flugstreichungen im Vergleich zu den Vortagen hingegen in Grenzen. In Frankfurt gab es am Morgen knapp 60 Streichungen, sagte ein Sprecher. Grund dafür sei die Schließung einiger anderer europäischer Flughäfen – etwa in Großbritannien. Der Münchener Flughafen erwartet für den gesamten Donnerstag etwa 50 Flugstreichungen. Auch hier machen sich vor allem die Probleme an anderen europäischen Flughäfen bemerkbar.

Für die kommenden Tage kündigten Meteorologen Entspannung an: "Die Winde werden am Donnerstag schwächer werden", sagte DWD-Fachmann Martin Jonas. Nur die Ostsee werde dann noch von schnellen und stürmenden Winden heimgesucht. Dennoch werde der Schnee locker und pulverig bleiben und deshalb schon bei leichten Böen wirbeln können. Am Wochenende nähern sich die Temperaturen vielerorts wieder dem Nullpunkt – dann allerdings droht Glätte auf den Straßen.

Auch in Frankreich verursacht das Winterwetter erhebliche Behinderungen. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Eurostar-Züge zwischen London und Paris beziehungsweise Brüssel fallen nach französischen Rundfunkangaben aus. Auch andere Bahnstrecken in Frankreich sind betroffen. An den Pariser Großflughäfen Orly und Charles de Gaulle werden zwischen 10 und 25 Prozent aller Flüge gestrichen. Vor allem im Südwesten des Landes saßen am Morgen Hunderte Autofahrer im dichten Schneetreiben fest. In der Bretagne, wo 25 Zentimeter Neuschnee gemessen wurden, war eine Hauptverkehrsachse völlig gesperrt. Im  Großraum Paris kamen Tausende Pendler auf vereisten Straßen nur langsam voran. In der Normandie waren Hunderte Lastwagen blockiert. Viele Schulbusse verkehrten nicht.

In Polen hat der Wintereinbruch bereits 18 Menschen das Leben gekostet. In den vergangenen Nächten fielen im Osten des Landes die Temperaturen auf bis zu minus 26 Grad.

In Belgien hat das Wetter zu 500 Kilometern Stau auf den Autobahnen und Hauptstraßen des Landes geführt. Nach Angaben des Touring-Automobilclubs waren vor allem im Großraum Brüssel viele wichtige Straßen nicht vollständig geräumt, einige überhaupt nicht. Bereits am Mittwoch waren in der Hauptstadt Straßenbahnen und Busse auf den innerstädtischen Straßen im Schnee stecken geblieben. Der Betrieb auf dem Flughafen Zaventem, der über drei Start- und Landebahnen verfügt, lief am Donnerstag noch, doch rechnete die Flughafengesellschaft mit Verspätungen im Laufe des Tages.

Gänzlich schließen muss der Londoner Flughafen Gatwick. Nach Angaben des Guardian findet dort wegen des Wetters bis mindestens Freitagmorgen kein Flugverkehr statt.