Ein neuerlicher Kälteeinbruch mit Schnee und Eisregen hat in weiten Teilen Deutschlands und Europas zu extremer Glätte geführt. Schwere Verkehrsbehinderungen auf Straße und Schienen sowie im Flugverkehr waren die Folge. In mehreren deutschen Städten wurde der Bahn- und Busverkehr eingestellt.

Der Eisregen in Deutschland setzte vor allem der Bahn zu: Weil sich im Norden und Osten immer wieder zentimeterdicke Eisschichten an den Oberleitungen bildeten, konnten viele Züge nach Angaben der Deutschen Bahn die Fahrt mangels Strom nicht fortsetzen. "Fahrgäste müssen deshalb mit teilweise großen Verspätungen und einzelnen Ausfällen rechnen", stimmte die Bahn die Reisenden auf Verzögerungen ein. Der Staatskonzern äußerte sein Bedauern, allerdings könne man sich gegen dieses Naturphänomen kaum wappnen.

Nach Angaben eines Bahnsprechers war am Nachmittag die Strecke Hannover-Magdeburg wegen Vereisung der Oberleitungen gesperrt. In der Nacht zum Freitag mussten mehr als 700 Fahrgäste zwischen Berlin und Hannover in fünf liegen gebliebenen Zügen ausharren. Die Wagen seien jedoch beheizt gewesen und hätten Licht gehabt. Auch sei die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt gewesen. In Mecklenburg-Vorpommern hätten starke Schneeverwehungen dazu geführt, dass der Zugverkehr zwischen Berlin und Stralsund eingestellt wurde. Ausfälle und stehende Züge gebe es auch in Nordrhein-Westfalen.

Auf den starken Andrang Reisender hat die Bahn reagiert. Sie kündigte an, voraussichtlich bis zum Jahresende den Fahrplan auf einigen Fernverkehrsstrecken "anzupassen". Sie bietet Reisenden an , Fahrkarten und Reservierungen kostenfrei zu stornieren, sofern sie die Fahrt bis einschließlich den 29.12.2010 nicht antreten wollen.

Starke Schneefälle legten auch den Düsseldorfer Flughafen am Vormittag lahm. Am größten deutschen Flughafen Frankfurt kam es zunächst trotz Winterbetriebs nicht zu größeren Störungen. Ein Fraport-Sprecher sagte, die Lage sei entspannt. Es seien lediglich einige wenige Flüge gestrichen worden. Am Flughafen München kam es trotz Schneefalls lediglich infolge von Problemen auf anderen Flughäfen zu Verspätungen und Annullierungen.

Besonders schlimm traf das Winterwetter die Flughäfen in Brüssel und Paris. So kämpfte der Brüsseler Flughafen mit 25 Zentimetern Neuschnee, die über Nacht gefallen waren. "An so ein schlechtes Wetter im Dezember kann ich mich nicht erinnern", sagte ein Sprecher. Es sei extrem schwierig, den Flugverkehr abzuwickeln. Auf den beiden Pariser Flughäfen mussten etwa 2000 Reisende die Nacht auf Feldbetten verbringen, weil kein Flugzeug mehr startete. Die Regierung stimmte auf dem Flughafen Roissy Hunderte Menschen darauf ein, auch eine zweite Nacht im Terminal zu verbringen, weil es an Enteisungsmitteln für Flugzeuge fehlte.

habe ich noch keine Informationen, wann es weitergeht, wie es weitergeht und wann wir wo ankommen.
Ein Zugbegleiter in einer Lautsprecher-Durchsage im ICE 942

Die Niederschläge machen jedoch nicht nur dem Verkehr zu schaffen. Unter der großen Schneelast sind in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens und in Thüringen Hallendächer zusammengebrochen. Allein im Raum Aachen stürzten die Dächer zweier Reithallen sowie ein Scheunendach ein. "In allen Fällen gab es keine Verletzten", teilte die Polizei mit. In Münster konnte das Dach einer Turnhalle nicht mehr standhalten, in Dortmund gab die Überdachung einer Lagerhalle nach und stürzte in Teilen ein. Im thüringischen Hermsdorf brach die Lagerhalle eines Hausmeisterdienstes unter der Last einer 50 Zentimeter dicken Schneedecke zusammen. Auch bei diesen Vorfällen wurde niemand verletzt.

Bei der Aachener Stadtverwaltung hatte am Morgen angesichts einer Schneehöhe von mehr als 30 Zentimetern ein Krisenstab getagt. Daraufhin seien Flachdächer in Aachen von einem Statiker geprüft worden. "Die Schneelast ist aber noch nicht so groß, dass akute Gefahr besteht", berichtete Karl-Heinz Herber, Lagedienstführer bei der Feuerwehr in Aachen, über den Test.

In Monschau in der Eifel brach unterdessen ein etwa 500 Quadratmeter großes Dach einer Reithalle unter der weißen Last ein. Der Sachschaden liegt laut Polizei im sechsstelligen Bereich. Auch in Stolberg stürzte ein Reithallendach ein, in Eschweiler war es die Konstruktion einer Scheune.

Schneefall und weiterhin stürmische Winde haben den Straßenverkehr auch auf Rügen weitgehend zum Erliegen gebracht. Auf vielen Straßen türmten sich meterhohe Schneeverwehungen und machten ein Durchkommen unmöglich. Freigeräumte Straßen waren sofort wieder dicht. "Zwischen Sagard und Glowe im Norden der Insel war eine Schneefräse im Einsatz. Der Fahrer hat kapituliert und ist umgekehrt", sagte ein Polizeisprecher.