Die Weihnachtstage haben für viele Reisende mit chaotischen Straßenverhältnissen begonnen – und mit einer stundenlangen Geduldsprobe. Auf spiegelglatten Straßen kamen Tausende Autofahrer in Niedersachsen und Schleswig-Holstein nur im Schneckentempo voran. Während in Niedersachsen vor allem Eis das Problem war und den Autobahnverkehr teilweise sogar zum Erliegen brachte, hab es in Schleswig-Holstein wegen Schnee und Sturm massive Behinderungen.

Die Warnung der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) in Hannover las sich in der Nacht dramatisch: "In Niedersachsen ist der Verkehr witterungsbedingt teilweise zum Erliegen gekommen", hieß es um kurz nach 22 Uhr. Den Angaben zufolge waren von den chaotischen Verhältnissen auch die für ganz Deutschland wichtigen Achsen der Autobahnen 1, 2 und 7 betroffen – aber auch Bundes- und Landstraßen.

Am Morgen kündigte die VMZ an, dass auf allen niedersächsischen Autobahnen nur noch die rechte Fahrspur geräumt und gestreut werde. Die linken Fahrstreifen seien teilweise nicht mehr passierbar. Auf Bundes- und Landstraßen werde nur noch geräumt, nicht mehr gestreut.

Am frühen Morgen gegen 3 Uhr meldete die Autobahnpolizei für die A1 und die A28 "eine katastrophale Verkehrslage". Auf der gesamten A1-Strecke von Bremen über Wildeshausen bis nach Cloppenburg habe es "ganz viele Unfallmeldungen" gegeben. Von Verletzten war zunächst nichts bekannt. Auf der A28 Bremen Richtung Oldenburg habe es etliche Unfälle gegeben, auch Lastwagen seien betroffen.

Am Donnerstagabend traf es vor allem die wichtige Ost-West-Achse der A2. "Die Lage ist sehr brisant. Wir haben viele Unfälle, teilweise geht es nach wie vor nur im Schritttempo voran", sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei Braunschweig gegen 23.30 Uhr. Die Winterdienste könnten nicht dagegen anarbeiten.

Ein Autofahrer, der von Hannover nach Wolfsburg unterwegs war, meldete gegen 21.00 Uhr: "Geschlossene Eisdecke auf der A2." Er komme seit zwei Stunden nur mit 10 Stundenkilometern voran. Auf der Gegenrichtung Braunschweig-Hannover berichtete eine Autofahrerin gegen 21.30 Uhr, sie habe dreimal so lange gebraucht wie sonst.

Neben den Autobahnen waren überall zwischen Harz und Küste auch Bundes- und Landstraßen betroffen. So meldete die VMZ etwa für die ostfriesische L8, die nördlich von Aurich zum Deich nach Bensersiel führt: "In beiden Richtungen Schneeverwehungen, beide Fahrtrichtungen gesperrt". Die Insel Langeoog und ihre Fährverbindung sei damit in der Nacht vor Heiligabend für Autos nicht mehr zu erreichen gewesen.

In Schleswig-Holstein sah es nicht besser aus. Die Polizei in Flensburg meldete gegen 1 Uhr morgens: "Hier schneit es ordentlich. Der Verkehr ist stark beeinträchtigt. Noch immer fahren sich Autos fest." Weiter südlich in Kiel berichtete ein Polizeisprecher gegen 3.00 Uhr: "Wir haben erhebliche Probleme." In der westlichen Kieler Förde in der Gegend Schwansen seien große Teile des Landkreises für den Verkehr gesperrt. Die Schneeverwehungen seien einfach zu heftig.

Warnungen für Heiligabend

Auch auf den Straßen in Bayern wird es Heiligabend stellenweise extrem glatt. Der Verkehrslagedienst der Polizei warnte vor Eisregen und Glätte besonders im Spessart und in Unterfranken. Vor allem die Autobahn 3 Würzburg-Passau sowie die Autobahn 45 bei Aschaffenburg seien betroffen. Im Laufe des Tages rechnen die Meteorologen zunächst mit Schneeregen für weite Teile Bayerns, der gefrieren kann und der auch in Schneefall übergeht.

Auch für den Nordwesten erwartet der Deutsche Wetterdienst neue ergiebige Schneefälle. In Schleswig-Holstein kann dieser auch in sogenanntes Schneefegen übergehen, was vom Wind aufgewirbelte Flocken bezeichnet. Überall lagen die Temperaturen leicht unter Null Grad. Weiter südlich in Hamburg war es hingegen ruhiger. "Wir hatten eine relativ entspannte Nacht", sagte ein Sprecher der Feuerwehr am frühen Morgen.