Die Hochwasserlage in Deutschland entspannt sich bisher nicht. Trotz leicht sinkender Pegelstände an Mosel und Rhein sowie in Teilen Thüringens war die Situation in vielen Städten auch am Samstagabend kritisch. In Sömmerda (Thüringen) wurde am Abend eine Führungsleitstelle eingerichtet, die die Lage auch in der Nacht beobachtet, wie der Sprecher des Landratsamtes, Michael Platzko, mitteilte. In einigen Mosel-Orten steht weiter das Wasser meterhoch, unter anderem in den bekannten Weinstädten Cochem und Zell. Nach einer kurzen Entspannung sollen die Pegelstände am Sonntag wieder ansteigen.

In Sömmerda nördlich von Erfurt musste am Abend der Stadtpark gesperrt und geflutet werden. "Wir konnten ihn nicht mehr halten", betonte Platzko. Mehrere Brücken über die Unstrut mussten gesperrt werden, da das Wasser nicht mehr unter ihnen hindurchfließen kann. Auch in den Orten Ringleben und Gebesee sei die Situation weiter kritisch. Die Behörden rechneten damit, dass der Hochwasserscheitel noch in der Nacht erreicht wurde. Danach sei zunächst mit leicht sinkenden Pegelständen zu rechen, sagte Platzko.

In Sachsen-Anhalt spitzt sich die Lage zu. Für die Weiße Elster am Pegel Oberthau wurde die höchste von vier Alarmstufen ausgerufen, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz am Sonntag in Magdeburg mit. Der Wasserstand habe in der Nacht die kritische Marke von vier Metern überschritten. An den Pegeln Gera-Langenberg und Zeitz der Weißen Elster gelte die dritte Alarmstufe, ebenso für die Schwarze Elster am Pegel Löben. Die Saale und die Unstrut im Burgenlandkreis erreichten ebenfalls Alarmstufe 3. Einige Straßen seien bereits überflutet, meldeten die Behörden.

In den betroffenen Regionen in Rheinland-Pfalz ging das Hochwasser etwas zurück. So falle der Pegelstand in Cochem derzeit um einen Zentimeter pro Stunde, sagte ein Feuerwehrsprecher. Nach Schätzung der Feuerwehr waren etwa 20 Prozent der Stadt betroffen. Doch die Pegelstände sollten nach der kurzen Beruhigung der Lage weiter steigen.

In Zell steht hingegen weiterhin die Altstadt zu rund 60 Prozent unter Wasser. Derzeit könne man nicht viel machen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Zell. "Die Situation ist stabil, unsere Zentrale ist besetzt, auch zwei Bootsbesatzungen sind in Bereitschaft", sagte er. Wegen des Wochenendes seien aber nur wenige Menschen unterwegs.

In Mainz und Koblenz bereitete man sich ebenfalls auf das Hochwasser vor. In der Landeshauptstadt wurden erste Parkplätze und Straßen am Rhein gesperrt, wie ein Polizeisprecher sagte. In Koblenz wurden stellenweise Stege aufgebaut, damit die Bürger trockenen Fußes vorankommen.

In Brandenburg sanken in der Nacht ebenfalls die Pegelstände. Eisbrecher hatten sich am Samstag flussaufwärts durch das tief gefrorene Wasser geschoben und den Weg zur Ostsee freigemacht, wie ein Sprecher der Hochwassermeldezentrale in Frankfurt/Oder am Morgen sagte. Der Pegelstand in Hohensaaten habe gegen 5 Uhr 7,25 Meter betragen. "Und er fällt weiter" sagte der Sprecher. Entwarnung wollte er aber noch nicht geben. Auch in Schollen zerteilt könne sich das Eis zu Barrieren türmen und den Wasserstand wieder rasch und heftig steigen lassen. Für den Sonntag kündigte der Deutsche Wetterdienst bundesweit weiteren Regen an.

Auch Belgien ist vom Hochwasser betroffen: Im Süden des Landes ist die Maas wegen der Schneeschmelze und starker Niederschläge über die Ufer getreten. Wie die Nachrichtenagentur Belga am Sonntag berichtete, steigen die Wasserstände weiter. Hochwasseralarm wurde für fast die gesamte Wallonie ausgerufen.

In einigen Kommunen wie in Rochefort in den Ardennen verteilten die Behörden Wasserflaschen an die Bevölkerung, weil das Trinkwasser verschmutzt war. Die Feuerwehr und Hilfekräfte waren im Dauereinsatz, Menschen kamen zunächst nicht zu Schaden.