Zu den Kinderschändern an der Odenwaldschule soll auch der spätere Mitbegründer der Tageszeitung taz, Dietrich Willier, gehört haben. Der mittlerweile gestorbene Lehrer werde mit sexuellen Übergriffen auf mindestens neun Jungen in Verbindung gebracht, sagte die von der Schule eingesetzte Sonderermittlerin Brigitte Tilmann und bestätigte entsprechende Medienberichte.

Laut der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung war Willier von 1969 bis 1972 als Kunstlehrer an der Schule im südhessischen Heppenheim. Er starb den Angaben zufolge 2009, laut taz im Alter von 64 Jahren. In deren Bericht heißt es: "Die Indizien und Belege sind eindeutig." Der frühere Kollege – er arbeitete auch für Stern, Tagesspiegel und DIE ZEIT – habe als Lehrer sexuelle Gewalt gegen Jungen ausgeübt.

Zu den Übergriffen des Kunstlehrers sei es auch auf einer Reise nach Griechenland gekommen, sagte Tilmann. Den Stein ins Rollen brachten laut Abschlussbericht drei Betroffene, die zur Tatzeit zwischen 12 und 14 Jahre alt waren.

Brigitte Tilmann, früher Präsidentin des Oberlandesgerichts Frankfurt, und die Wiesbadener Anwältin Claudia Burgsmüller hatten Mitte Dezember ihren 35 Seiten langen Abschlussbericht über den Missbrauchsskandal an der Reformschule vorgelegt. Darin ist von mehr als 130 Opfern die Rede, die ihren Lehrern ausgeliefert waren. Die Übergriffe liegen meist schon Jahrzehnte zurück. Tatzeitraum waren hauptsächlich die Jahre 1965 bis 1985. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelte gegen etwa ein Dutzend Ex-Lehrer, stellte die Verfahren aber meist wegen Verjährung ein.