Nach den Missbrauchs- und Gewaltvorfällen bei den Regensburger Domspatzen ist das Bistum mit einem weiteren Fall belastet: In einem Behindertenheim in Reichenbach hat ein Ordensbruder zugegeben, sexuellen Kontakt mit mindestens drei Bewohnern gehabt zu haben. Das Heim betreiben die Barmherzigen Brüder, die Träger vieler Sozialeinrichtungen in Bayern sind.

Bekannt wurden die Vorfälle, als sich eines der Opfer zu Jahresbeginn an einen Mitarbeiter wandte. Wie der Anwalt eines der Opfer sagte, habe sein Mandant die Ordensleitung informiert, die den Bruder mit der Anschuldigung konfrontierte.

Gemeinsam mit dem Missbrauchsbeauftragten des Ordens sei man dem Verdacht sofort nachgegangen, der sich "leider in einigen Einzelfällen bestätigt hat", heißt es in einer Mitteilung der Barmherzigen Brüder. Der Beschuldigte habe sich am 3. Januar bei der Staatsanwaltschaft selbst angezeigt. Die prüfe den Fall derzeit. Dem Täter drohen zwischen drei Monaten und fünf Jahren Haft.

Der Missbrauchsbeauftragte des Ordens, der Regensburger Rechtsanwalt Klaus Luckow, sagte ZEIT ONLINE, eines der drei Opfer habe der Bruder Ende 2010 missbraucht. Die beiden anderen Fälle lägen länger zurück und hätten sich den Angaben des Bruders zufolge Anfang der neunziger Jahre ereignet. Das letzte Opfer werde durch Fachkräfte im Haus besonders betreut. Die anderen lebten schon längere Zeit nicht mehr in der Einrichtung.

Der Ordensbruder sei mittlerweile aus dem Behindertenheim abgezogen und lebe "andernorts ohne Aufgabe", teilten die Brüder mit.

Im Bistum Regensburg waren bisher Fälle von körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch in den 1950er und 1960er Jahren bei dem weltberühmten Knabenchor Regensburger Domspatzen bekannt geworden. Die beiden Täter, die beide 1984 starben, sollen auch zu Haftstrafen verurteilt worden sein.

Ein Ex-Schüler des zum Knabenchor gehörigen Internats hatte gesagt, er habe sexuelle und körperliche Gewalt bis zum Ende seiner Zeit bei den Domspatzen 1992 als allgegenwärtig erlebt. Georg Ratzinger, Bruder von Papst Benedikt XVI., hatte den Knabenchor lange Zeit geleitet.