Von der Katastrophe besonders schwer getroffen ist das bergige Gebiet nördlich von Rio de Janeiro, ein begehrtes Ausflugsziel. Ganze Viertel in Nova Friburgo, Teresópolis und Petrópolis wurden durch Flüsse aus Schlamm und Gesteinsbrocken weggeschwemmt. Offiziellen Angaben zufolge sind durch die Regenfälle und Erdrutsche mindestens 529 Menschen ums Leben gekommen.

Es handele sich um die "schlimmste Naturkatastrophe" in der Geschichte des Landes, schrieben brasilianische Medien. In der betroffenen Bergregion Serrana suchten Rettungskräfte verzweifelt nach Überlebenden. Anhaltender Regen und verschüttete Straßen erschwerten aber die Suche. Die Behörden befürchteten noch viele weitere Opfer, da viele abgeschiedene Gebiete erst allmählich von den Rettungskräften erreicht werden konnten. Ganze Stadtviertel seien durch Überschwemmungen und Erdrutsche zerstört.

Tausende Überlebende fanden in Notaufnahmelagern Unterschlupf. Kirchen und Polizeiwachen wurden zu Leichenhäusern umfunktioniert. Davor suchten Angehörige verzweifelt nach Vermissten. Mehr als 13.500 Brasilianer verloren in den Schlamm- und Wassermassen ihr Zuhause. "Was hier passiert ist, ist völlig absurd. Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet", sagte der 54-jährige Albertino Lazaro, der in einer Sporthalle Schutz fand.

Allein in Teresopolis fanden die Einsatzkräfte bisher 223 Leichen. Aus der von Schweizer Siedlern gegründeten Stadt Nova Friburgo wurden 246 Tote gemeldet. In anderen Städten wie Petropolis und Sumidoro kamen mindestens 60 Menschen ums Leben. 

Heftiger tropischer Regen in der Region Serrana hatte Schlammlawinen in die Orte rutschten lassen. Flüsse traten über die Ufer. Weiterer Starkregen erschwerte die Bergungsarbeiten. In Nova Friburgo mussten die Helfer die Suche nach Überlebenden wegen der Gefahr neuer Erdrutsche zeitweise unterbrechen – zumal die Meteorologen weitere Regenfälle für die Region voraussagten. Das Rote Kreuz sprach von chaotischen Zuständen.

Die Krise ist die erste große Herausforderung für Dilma Rousseff, die vor zwei Wochen das Präsidentenamt übernommen hat. Sie sprach bei einem Besuch im Katastrophengebiet von einem "dramatischen Moment". Sie sicherte den betroffenen Städten schnelle Hilfe zu. Zuvor hatte sie bereits 780 Millionen Reais (etwa 356 Millionen Euro) Soforthilfe in Aussicht gestellt. Das Gesundheitsministerium kündigte zudem an, für die Region sieben Tonnen medizinisches Material zur Verfügung zu stellen.

Der wirtschaftliche Schaden geht schon jetzt in die Milliarden. Da die betroffene Region ein wichtiges Anbaugebiet für Obst und Gemüse ist, dürften zudem die Lebensmittelpreise weiter anziehen.