Eine Frau marokkanischer Abstammung will nach der Babypause wieder arbeiten gehen – von jetzt an aber mit Burka . Ihr Arbeitgeber, das Bürgeramt Frankfurt, will davon nichts wissen. Und schon ist sie wieder da: die Debatte um die Burka. 

Werden wir, da nun eine Frau den Anfang gemacht hat, in Büros und Amtsstuben nur noch in wenige offene Gesichter schauen können, wenn wir nicht flugs ein Burkaverbot erlassen? Das glaubt wohl niemand. Nur sehr wenige Frauen tragen in Deutschland überhaupt eine Vollverschleierung. Die meisten muslimischen Frauen ziehen nicht einmal ein Kopftuch an. Dass eine Frau während der Arbeit Burka tragen möchte, wird ein Einzelfall bleiben.

In diesem konkreten Fall muss man nicht einmal die leidige Diskussion über die religiöse Symbolik des großen Stück Stoffs führen. Dieselbe Frau hat zuvor schon mit Kopftuch gearbeitet. Offenbar gehen die Frankfurter Behörden tolerant mit religiösen Symbolen um, und die Bürger nahmen es hin.

Aber muss man nicht wenigstens über Emanzipation und Frauenrechte reden? Die wären natürlich ein Thema, würde die Frau von ihrer Familie zur Gesamtverschleierung gezwungen werden. Dann bräuchte sie Hilfe von möglichst vielen Menschen: von Nachbarn, Polizisten, Sozialarbeitern und Anwälten – aber ein Verbot vom Arbeitgeber würde sie nicht aus ihrem Stoffgefängnis befreien.

Hier geht es schlicht darum, dass Mitarbeiter eines Bürgeramts, wie der Name es verspricht, für die Bürger da sein sollen. Möglichst freundlich und vertrauenswürdig. Wenn wir den Menschen dort aber nicht ins Gesicht schauen dürfen, dann können wir kein Vertrauen aufbauen. Egal ob Burka, dunkle Sonnenbrille oder Indianermaske: Der Arbeitgeber muss das Recht haben, von seinen Mitarbeitern zu verlangen, dass seine Kunden nicht verunsichert werden. Da die Betroffene keine Beamtin ist, muss die Stadt Frankfurt zur Not vor Gericht dafür streiten. Allerdings hätte eine Sonnenbrillenträgerin dabei keine Chance auf so viel Aufmerksamkeit.

Die garantiert der Frau nur die Burka. Weil das muslimische Kleidungsstück für uns ein Reizthema ist, will die Frau wohl eine Abfindung fordern. Deshalb berichtet die BILD -Zeitung darüber und deshalb müssen schon FDP-Politiker beschwichtigen, dass die Frau möglicherweise gar keine religiösen, sondern schlicht monetäre Motive für ihre Forderung hat. Warum auch nicht: Habgierige Menschen können auch muslimisch sein.

Was auch immer ihre Gründe sind, lassen wir uns nicht beirren: Die meisten Frauen werden lieber ihren Job behalten, als mit der Burka zu wedeln, um eine Abfindung auszuhandeln. Der isolierte Fall taugt nicht mal zum Befeuern einer sinnlosen Islamismus- und Burkaverbotsdebatte.