Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland trinken insgesamt so wenig Alkohol wie noch nie, allerdings suchen vor allem männliche Jugendliche den Vollrausch. Der Anteil der Jugendlichen, die sich vier Mal im Monat oder öfter in den Rausch trinken, ist zwar im vergangenen Jahr nur wenig zurückgegangen, der regelmäßige wöchentliche Alkoholkonsum sank aber auf den niedrigsten Stand seit den 1970er Jahren. Das ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), die in Berlin vorgestellt wurde.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, ist trotz des Rückgangs besorgt. "Es zeigt sich, dass besonders das Rauschtrinken bei den Jugendlichen noch weit verbreitet ist", sagte die FDP-Politikerin. Auch wenn die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholvergiftungen bei den Zehn- bis 15-Jährigen um vier Prozent gesunken sei, müssten die Präventionsmaßnahmen fortgesetzt werden. Vor allem bei den Jüngeren sieht Dyckmans Probleme. "Die unter 16-Jährigen trinken noch zu oft zu viel. Hier müssen wir unsere Kontrollen wirklich verstärken." Sie will künftig vor allem Risikogruppen wie 12- bis 15-jährige Mädchen und junge Männer stärker in den Blick nehmen und gezielt vor den Folgen des Komasaufens warnen.

Die Direktorin der BZgA, Elisabeth Pott, hob hervor, dass viele Jugendliche nicht über die Konsequenzen ihres Verhaltens Bescheid wüssten. Für sie gehöre Alkohol zum Feiern und Spaß haben dazu. Über die schweren gesundheitlichen Konsequenzen seien sie sich oft nicht im Klaren.

Die Jugendlichen waren für die Studie auch nach ihren Motiven fürs Trinken und nach ihrer Einstellung zum Alkohol befragt worden. Etwa 53 Prozent hatten gesagt, dass es ihnen unter Alkohol leichter falle, "auf andere zuzugehen". Bei Jugendlichen, die häufig bis zum Vollrausch trinken, waren es sogar 70 Prozent. Etwa 19 Prozent der Jugendlichen gaben an, unter Alkohol "ihre Sorgen" zu vergessen. Bei den Rauschtrinkern waren es etwa 29 Prozent.

Die Studie ergab, dass das Umfeld junger Menschen für ihr Trinkverhalten entscheidend ist: Je mehr und je häufiger Alkohol etwa im Freundeskreis getrunken wird, desto höher ist der eigene Alkoholkonsum.

Insgesamt gelten in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen als "riskante Trinker", also als Menschen, die regelmäßig viel Alkohol trinken, aber noch nicht abhängig sind. Hinzu kommen 1,8 Millionen Alkoholabhängige.