Die Kritik an der Informationspolitik der japanischen Regierung um Ministerpräsident Naoto Kan wächst. Die australische Regierung verlangte von Japan volle Aufklärung über die Bedrohung, die von dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima ausgeht. "Wir und alle anderen Länder brauchen dringend weitere Informationen über den genauen Status dieser Reaktoren", sagte der australische Außenminister Kevin Rudd. "Wir brauchen weitere Angaben über die technischen Aspekte und die Sicherheitsaspekte von der japanischen Regierung."

Auch von der Umweltorganisation Greenpeace kam massive Kritik am japanischen Krisenmanagement. Greenpeace warf der japanischen Regierung vor, entscheidende Informationen zu dem schweren Atomunfall zu verschweigen und so die Menschen massiv zu gefährden. "Es ist unverantwortlich, wie die japanische Regierung und die Betreibergesellschaft dort ihre Informationspolitik betreiben", sagte Christoph von Lieven, Energie-Experte bei der Organisation. Die Atomkraftwerke seien abgesperrt, es gebe keine unabhängigen Messungen der ausgetretenen Radioaktivität und "keine Berichte der Regierung und der Betreibergesellschaft, denen man trauen kann".

Von Lieven betonte: "Es muss den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, geordnet aus der Gefahrenzone zu kommen. Wenn sie diese Möglichkeit nicht haben, sind die japanische Regierung und die Betreiber direkt dafür verantwortlich, dass mehr Menschen von den tödlichen Strahlen betroffen werden." Besonders problematisch sei die Situation bei dem dritten Reaktor des Atomkraftwerkes Fukushima-1. Der Reaktor werde mit sogenannten Mox-Brennelementen (Mischoxid-Brennelemente) betrieben, die Plutonium enthalten, sagte von Lieven. Plutonium sei aber nicht nur hochgradig radioaktiv, sondern auch hochgiftig.

Unterdessen hat Japans Ministerpräsident Naoto Kan die Erdbebenkatastrophe in einer Pressekonferenz am Sonntag als größte Krise des Landes seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bezeichnet. Die Probleme in den japanischen Atomanlagen unterschieden sich aber grundlegend von der Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl, wo vor 25 Jahren das Atomkraftwerk explodiert war. Die Lage im durch das Beben beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-1 sei ernst. Durch die Katastrophe sind die Kühlsysteme mehrerer Reaktoren beschädigt worden.

Am Samstagnachmittag ereignete sich in einem Reaktor eine Explosion, die das Gebäude rund um den Reaktorblock 1 zerstörte. Die Regierung befürchtet, dass es in diesem und einem weiteren Reaktor zur Kernschmelze kam. Etwa 215.000 Menschen im Umkreis des Kraftwerkes und des gleichfalls beschädigten AKW Fukushima-2 sind deshalb in Sicherheit gebracht worden.

Kan forderte die Japaner zum Stromsparen auf: Nach der Abschaltung mehrerer Atomkraftwerke wegen des Bebens gebe es das Risiko von großflächigen Stromausfällen, sagte der Regierungschef. Um große Blackouts zu vermeiden, planen die Stromkonzerne, Energie zu rationieren. Die Maßnahme müsse wohl mehrere Wochen angewendet werden, sagten Regierungsbeamte.