Für viele Japaner sind sie Helden, jene Arbeiter, die im schwerbeschädigten AKW Fukushima-1 den Super-GAU abzuwenden versuchen. Drei von ihnen seien einer Strahlendosis von 170 bis 180 Millisievert ausgesetzt gewesen, sagte Hidehiko Nishiyama von der japanischen Atomsicherheitsbehörde. Zwei von ihnen hätten Verbrennungen an den Beinen erlitten und seien ins Krankenhaus gekommen.

Eine Belastung von 100 Millisievert pro Jahr wird als niedrigstes Niveau angesehen, bei dem ein erhöhtes Krebsrisiko besteht. Japan hatte den Grenzwert für die Arbeiten in Fukushima von 100 Millisievert auf 250 Millisievert pro Jahr heraufgesetzt.

Die drei Arbeiter waren in Reaktor 3 im Einsatz, um die Vorbereitungen zur Instandsetzung des Pump- und Kühlsystems fortzusetzen. Die Betreiberfirma des AKWs, Tepco, habe nach dem Strahlenunfall einige Arbeiter im Erdgeschoss und Untergeschoss des Reaktors abgezogen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Bereits am Mittwoch mussten mehrere Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden, nachdem über dem Gebäude des Blocks wieder schwarzer Rauch aufstiegen war.

Fernsehbilder des Senders NHK zeigten am Morgen, wie weißer Dampf über den Reaktoren 1 bis 4 aufstieg. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Block 1 zu beobachten sei, berichtete der Sender.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen. © Julika Altmann

In Reaktor 1 hatte es am 12. März – einen Tag nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe – eine Wasserstoffexplosion gegeben, bei der das Reaktorgebäude erheblichen Schaden nahm. Dem Krisenteam gelang es inzwischen immerhin, die Beleuchtung im Kontrollraum wieder instand zu setzen, wie Kyodo meldete. Laut Regierung gibt es bislang keine Hinweise auf eine Beschädigung des inneren Druckbehälters. Die Einsatzkräfte kühlen den Reaktor von außen mit Meerwasser. 

Das planen die Fachleute auch für Block 4. Der Dampf über diesem Reaktor deutet darauf hin, dass das dortige Abklingbecken für abgebrannte Kernbrennstäbe überhitzt ist. Block 4 war bereits vor dem Erdbeben zu Wartungszwecken abgeschaltet worden. Gleichwohl gab es dort am 15. März eine Explosion und einen Brand.

Auch an dem bislang unkritischen Reaktorblock 5 traten Probleme auf. Das Pumpsystem des Reaktors sei defekt, so dass die Kühlung ausgefallen sei, sagte Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde. Die Situation sei derzeit stabil, es müsse aber mit steigenden Temperaturen sowohl im Reaktor, als auch im Abklingbecken für abgebrannte Kernbrennstäbe gerechnet werden. Es sei geplant, die Pumpe möglichst bald zu reparieren.

Regierungssprecher Edano bezeichnete den Dampfaustritt an den Reaktoren im TV als "nur natürlich" und warnte zugleich: "Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein." Die Arbeiten zur Sicherung der defekten Reaktorblöcke müssen immer wieder unterbrochen werden, weil Rauch aufsteigt oder die radioaktive Strahlung zu hoch wird.

Wie sind die Reaktoren im Kernkraftwerk Fukushima-1 aufgebaut, wie sieht das Gelände aus? © Golden Section Graphics

Die Blöcke 1 bis 4 sollen auch weiterhin von außen mit Meerwasser gekühlt werden. Erst wenn das Pumpsystem der Reaktorblöcke wieder ans Stromnetz angeschlossen ist, lassen sich die Meiler wieder mit Süßwasser über die Hauptleitung kühlen.

Die Meerwasserkühlung birgt nach Ansicht des Reaktorsicherheitschefs von General Electric aber Gefahren: Auf diese Weise sammelten sich in den Reaktoren große Mengen Salz, sagte Richard Lahey der New York Times. Dies könne die Brennstäbe verkrusten und damit die Wasserkühlung blockieren. Lahey schätzte, dass sich im Reaktorblock 1 etwa 26 Tonnen Salz angesammelt haben könnten, in den größeren Blöcken 2 und 3 sogar jeweils 45 Tonnen. Der US-Konzern General Electric hatte die Siedewasserreaktoren in Fukushima konstruiert.