Im Meerwasser vor dem Unglücksreaktor von Fukushima ist eine sehr hohe Konzentration von radioaktivem Jod entdeckt worden. Die Radioaktivität habe das 3.355-fache des zulässigen Wertes erreicht, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Es ist ein deutlicher Trend sichtbar: Noch am Sonntag lagen die Werte bei klar unter dem 2000-fachen, einen Tag zuvor bei fast der Hälfte.

Die für nukleare Sicherheit verantwortliche japanische Behörde erklärte jedoch, diese Verstrahlung werde voraussichtlich zunächst keine gravierenden gesundheitlichen Folgen für Menschen haben, weil die Anwohner evakuiert seien und in der Region derzeit nicht mehr gefischt werde. Jod 131 habe eine Halbwertzeit von acht Tagen. Deshalb werde die Radioaktivität bereits deutlich abgenommen haben, falls verstrahlte Fische in die menschliche Nahrungskette gelangen sollten. Die Regierung räumte ein, dass es weiter völlig unklar sei, bis wann die Lage in dem Reaktor unter Kontrolle sein könnte.

Die japanische Opposition sowie die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordern derweil die Ausweitung der Sicherheitszone um das Kernkraftwerk. Experten der Organisation hatten eine erhöhte Radioaktivität nördlich von Fukushima festgestellt. 

Greenpeace-Messungen zeigten in dem 7000-Einwohner-Ort Iitate, 40 Kilometer nordwestlich des Kraftwerks, eine Strahlenbelastung von bis zu zehn Mikrosievert in der Stunde. Um Tsushima seien sogar 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Das teilte die Organisation am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Tokyo mit.

Jan van de Putte, Strahlenexperte von Greenpeace: "Es ist für die Menschen eindeutig nicht sicher, in Iitate zu bleiben, vor allem für Kinder und schwangere Frauen. Sie könnten die maximal zulässige jährliche Strahlendosis in nur wenigen Tagen abbekommen." Die momentane Evakuierungszone um das Atomkraftwerk hat einen Radius von 20 Kilometern.

Ein Hauptproblem stellt das kontaminierte Wasser im Kraftwerk dar. Zwar ist das Wasser im Keller des Reaktors 1 fast um die Hälfte zurückgegangen. Doch die Arbeiter wissen derzeit nicht, wohin mit der hochgiftigen Flüssigkeit aus Block 2 und 3. Es fehlte an Tanks. Das Abpumpen des gesamten verstrahlten Wassers ist jedoch eine der Hauptaufgaben der Sicherheitskräfte. Der französische Atomkonzern Areva wird fünf Nuklearexperten ins Krisengebiet schicken. Sie sollen die japanischen Arbeiter dabei unterstützen, das radioaktiv verseuchte Kühlwasser aus den teilweise zerstörten Reaktorblöcken herauszupumpen.

Die japanische Regierung erwägt einem Medienbericht zufolge, einen Tanker einzusetzen, um radioaktiv verseuchtes Wasser abzusaugen, berichtete die Zeitung Asahi Shimbun unter Berufung auf Regierungskreise. Außerdem gebe es eine Möglichkeit, die drei beschädigten Reaktoren des Atomkraftwerks mit Spezialplanen abdecken zu lassen, um die radioaktive Strahlung zu vermindern. 

Ein Manager einer Vertragsfirma des Betreibers Tepco sagte, die Arbeiter seien zunehmend besorgt um ihre Gesundheit. Zwar gingen die Einsatzkräfte immer wieder in die zerstörten Reaktorblöcke, um die Reaktoren zu kühlen und einen GAU zu verhindern, doch setzten den Arbeitern die immensen Schwierigkeiten immer mehr zu. Man achte darauf, dass Tepco die Spezialisten nicht zu hohen Risiken aussetze, sagte der Manager, der namentlich nicht genannt wurde. Derweil wurde Tepco-Chef Masataka Shimizu wegen Bluthochdrucks und Schwindelgefühlen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Angesichts der Energieknappheit durch die zerstörten und vom Netz genommenen AKW in Japan erwägt die Regierung die Einführung der Sommerzeit, damit große Unternehmen Energie sparen. Nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der Reaktorkatastrophe musste Tokyo den Strom in einigen Regionen zeitweise abschalten. Experten befürchten ein anhaltendes Problem in der Energieversorgung.