Japan blickt gebannt auf die Versuche des Militärs, die Reaktorblöcke 3 und 4 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima mit Wasser zu kühlen. Stundenlang hatten Hubschrauber tonnenweise Wasser über dem Ort der Katastrophe ausgeschüttet – mit ungewissem Erfolg. Dann folgten Wasserwerfer, die die Blöcke kühlen und die halbleeren Abklingbecken befüllen sollten. Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa sagte, außerdem seien elf Löschflugzeuge des Militärs auf dem Weg zum Reaktor.

Der Einsatz der Wasserwerfer wurde inzwischen eingestellt und soll erst am Freitagmorgen (Ortszeit) fortgesetzt werden. Gegen 19.45 Uhr (Ortszeit) waren fünf Feuerwehrwagen angerückt und hatten den Reaktor rund 30 Minuten lang mit 30 Tonnen Wasser bespritzt. Zuvor hatte bereits die Polizei versucht, die Ruine mit Wasserwerfern zu kühlen. Die Aktion musste aber nach kurzer Zeit abgebrochen werden.

Der AKW-Betreiber Tepco bewertete den Einsatz als Erfolg. Es sei Dampf aufgestiegen, folglich hätten die Wasserwerfer das Becken mit den Brennstäben getroffen, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo einen Sprecher des Unternehmens. Nach Angaben des Fernsehsenders NHK gebe es aber noch keine verlässlichen Daten, die eine entsprechende Bewertung rechtfertigen würden. Bisherige Versuche, die von vier Explosionen beschädigten Reaktoren zu kühlen, waren fehlgeschlagen. Sollten auch die jüngsten Bemühungen nicht zum Erfolg führen, "werden wir in ein paar Tagen einen kritischen Punkt erreichen", sagte ein Vertreter der Atombehörde.

Hoffnungen richten sich zudem auf neue Stromleitungen ins AKW. Die Techniker planen neue Außenkabel zu den havarierten Reaktoren 1 und 2. So sollen die defekten Kühlpumpen der Anlagen wieder in Betrieb gesetzt werden. Außerdem soll bald ein provisorisches Stromaggregat in Betrieb gehen – und zwar auf einem Teil des AKW-Geländes, auf dem die Strahlenbelastung nicht so hoch ist. Allerdings gibt es über den Fortschritt der Aktion noch keine Informationen. Tepco zufolge sei der Anschluss von Fukushima ans Stromnetz frühestens am Freitag möglich.

Im Atomkraftwerk sind in den vergangenen Tagen nach Angaben der internationalen Atombehörde IAEO in Wien 23 Menschen verletzt worden. Mindestens 20 weitere Mitarbeiter seien radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen. Nach Einschätzung des Präsidenten der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil, sind die im AKW verbliebenen Arbeiter "Todeskandidaten". Die gewaltige radioaktive Strahlung sei für sie eine "Katastrophe".

Wie sind die Reaktoren im Kernkraftwerk Fukushima-1 aufgebaut, wie sieht das Gelände aus? © Golden Section Graphics

Ein Forscher der japanischen Atomenergiebehörde twitterte, die Regierung habe die Grenze für den absoluten Strahlenwert erhöht, bis zu der Arbeiter am AKW Fukushima-1 arbeiten dürfen. Zuvor lag diese Grenze bei 100 Millisievert, nun bei 250 Millisievert. Diese Maßnahme ist vermutlich nötig gewesen, damit die Arbeiter weiterhin legal dort eingesetzt werden können, obwohl das Risiko sehr hoch ist, dass sie gesundheitliche Schäden davon tragen werden.

Japans Regierungssprecher Yukio Edano bestritt Vorwürfe, die Behörden hielten Informationen über die Situation rund um die Atomanlagen zurück. "Die Informationen, die wir auf der japanischen Seite sammeln, geben wir natürlich an die Behörden der Vereinigten Staaten weiter. Aber es gibt Verzögerungen, bis die Informationen bereitgestellt werden können", sagte Edano. China hatte Japan zuvor aufgefordert, künftig "schnell und präzise" über die Lage am AKW zu berichten.

Das Wetter bessert sich immerhin. Am Wochenende werden Temperaturen über Null erwartet, auch die heftigen Schneefälle sollen nachlassen. 850.000 Haushalte sind nach Angaben des Stromkonzern Tohuku noch immer ohne Elektrizität. Die Regierung gibt an, dass mindestens 1,5 Millionen Haushalte kein fließendes Wasser haben. Für den Großraum Tokyo warnte die Regierung vor einem Kollaps der Stromversorgung. Sie bat die Bahngesellschaften, ihren Betrieb einzuschränken.