Im Atomkraftwerk Fukushima haben neue Brände in den Reaktoren 3 und 4 die radioaktive Strahlung kurzzeitig stark ansteigen lassen. Das japanische Fernsehen zeigte Bilder von dichten Rauchschwaden über der Anlage. Reaktor 4 habe vermutlich durch eine Wasserstoffexplosion Feuer gefangen, berichtete der Sender NHK. Dort befindet sich das Abkühlbecken außerhalb des Sicherheitsbehälters, in dem abgebrannte Brennstäbe lagern, die ohne ausreichende Kühlung ähnlich gefährlich sind wie aktive Brennstäbe.

Kurz danach stieg auch von Reaktor 3 Rauch auf – dort sind Brennstäbe mit hoch giftigem Plutonium gelagert. Regierungssprecher Yukio Edano sagte, auf eine Explosion gebe es keine Hinweise; allerdings sei womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt. Später hieß es, der Druck im Reaktormantel von Block 3 sei stabil geblieben. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, dass der Rauch am Reaktor 3 direkt vom Behälter mit den Brennstäben kommen könnte. Am Sonntag war in dem Reaktor die Kühlung ausgefallen. Danach explodierte freigewordener Wasserstoff. Das äußere Gebäude ist seitdem zerstört.

Ein Löscheinsatz war zunächst nahezu unmöglich, der Brand schwelte für Stunden weiter. Die Strahlung hatte zwischenzeitlich den Höchstwert von 1000 Millisievert (1 Sievert) erreicht, berichtete Edano. Die noch verbliebenen 50 Arbeiter im Kraftwerk mussten sich deswegen zurückziehen, auch der Kontrollraum sei unbesetzt gewesen. Später sei der Wert auf 600 und 800 Millisievert abgesunken, die Evakuierung sei rückgängig gemacht worden. Edano sagte, unmittelbar am Kraftwerk sei die Strahlung mittlerweile konstant. 

Allerdings, so berichtet die Agentur Kyodo unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, könne per Hubschrauber wegen der hohen radioaktiven Strahlung noch immer kein Löschwasser über dem Reaktor abgeworfen werden. Grund für die hohe Strahlung könnte nach Angaben der japanischen Atomaufsichtbehörde ein Schaden an der Hülle von Reaktor 2 sein.

1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf. Regierungssprecher Edano sagte, es gebe weiterhin keine Pläne, die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk über den aktuell geltenden 20-Kilometer-Radius hinaus auszuweiten. Von der Strahlung, die 20 bis 30 Kilometer vom Kraftwerk entfernt wirke, ginge keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte mit, sie habe keine Hinweise darauf, dass sich Radioaktivität in bedeutsamem Ausmaß über das Land hinaus ausbreitet.

Kyodo meldete unter Berufung auf örtliche Behörden, dass im Leitungswasser der Präfektur Fukushima Cäsium und Jod nachgewiesen worden. Dies habe allerdings keine Auswirkungen auf die Gesundheit, hieß es.

Im Atomkraftwerk Fukushima gab es seit dem Tsunami am Freitag in den Reaktoren 1 bis 4 mehrere Explosionen und Brände. Die Flutwelle hatte das Kühlsystem des Atomkraftwerks zerstört, weshalb die Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden können. Seit Tagen wird eine Kernschmelze in den Reaktoren vermutet.