Der Betreiber des beschädigten Atomkraftwerkes Fukushima-1, Tepco, bekommt die beschädigten Reaktoren nicht unter Kontrolle. Als schwarzer Rauch aufstieg, während die Feuerwehr die Reaktoren mit Wasser kühlte, mussten die Arbeiter und Feuerwehrleute aus Sicherheitsgründen ihren Einsatz an den Kraftwerksblöcken 1 bis 4 unterbrechen. Das Trinkwasser ist jetzt auch in Tokyo radioaktiv belastet; Babys sollen deshalb kein Leitungswasser bekommen. Die Regierung riet davon ab, bestimmte Gemüsesorten zu verzehren. Am Mittwoch (Ortszeit) erschütterten mehr als 25 Nachbeben mit Stärken zwischen 4,4 und 6,1 die Region.

Eigentlich wollten die Einsatzkräfte die überhitzten Reaktor-Ruinen zwei Stunden lang kühlen. An dem besonders gefährlichen Reaktor 3 sollte eine Pumpe getestet werden – erstmals nach dem Stromausfall, den der Tsunami von vor zwei Wochen ausgelöst hatte.

Die Lage in Fukushima bleibt für die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) somit trotz einiger Verbesserungen sehr ernst. Im stark zerstörten Reaktor 3 ist es nach IAEA-Informationen nicht möglich, die Instrumente mit Strom zu versorgen. Im Reaktor 1 steigt nach Informationen der UN-Behörde der Druck, im Reaktor 3 war er bis zum Auftreten des Rauches stabil. "Die Gesamtsituation gibt uns weiter Anlass zu erheblicher Sorge", sagte der IAEA-Experte Graham Andrew in Wien. Eine positive Entwicklung sei aber, dass nun alle Reaktoren des AKW außer Reaktor 3 Stromversorgung hätten.

Während die Radioaktivitätswerte an der Anlage sanken, stiegen die Werte von radioaktivem Jod und Cäsium in der weiteren Umgebung. Der Trend gehe in zehn Präfekturen generell nach oben, hieß es. Auch im zur Kühlung der Anlage genutzten Meerwasser wurden hohe Jod- und Cäsiumwerte gemessen.

So könne auch außerhalb der 30-Kilometer-Sicherheitszone um das AKW eine stark erhöhte radioaktive Strahlung auftreten, vermuten Fachleute der japanischen Regierung. An manchen Orten außerhalb der Sicherheitszone könne die Strahlung laut Computersimulation zeitweise bei mehr als 100 Millisievert pro Stunde liegen. Die natürliche Hintergrundstrahlung liegt bei etwa 2 Millisievert pro Jahr. Die 20-Kilometer-Evakuierungszone soll dennoch nicht erweitert werden.

Währenddessen dürfen Kinder unter einem Jahr in vielen Bezirken Tokyos sowie in mehreren westlich gelegenen Städten kein Leitungswasser mehr trinken. Auch zum Anrühren von Milchpulver ist das Wasser tabu. Die Verwaltung rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Warnung sei eine Vorsichtsmaßnahme, da sich das radioaktive Jod über die Zeit in der Schilddrüse konzentrieren könne. Regierungssprecher Yukio Edano warnte vor Panikkäufen von abgefülltem Wasser.

In einer Wasseraufbereitungsanlage Tokyos waren zuvor erhöhte Werte an radioaktivem Jod 131 festgestellt worden. Der Wert habe 210 Becquerel pro Liter betragen. Der Grenzwert des Gesundheitsministeriums liegt für Babys bei 100 Becquerel pro Liter, für Erwachsene und ältere Kinder bei 300 Becquerel.