Im Kampf gegen eine noch immer mögliche Atomkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima-1 ist es gelungen, den Kontrollraum eines Reaktors teilweise wieder mit Strom zu versorgen. Im Kontrollraum des besonders beschädigten Reaktors 3 seien am Dienstagabend (Ortszeit) die Lichter angegangen, berichtete der Fernsehsender NHK. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji ist damit der erste Kontrollraum der beschädigten Reaktoren wieder teilweise mit Strom versorgt.

Im Lauf des Tages wurden zudem alle sechs Reaktoren wieder an das Stromnetz angeschlossen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Bis der Strom auch tatsächlich wieder fließt, könnte es aber noch Tage dauern. Das Abklingbecken im Reaktor 2 ist nach Angaben der Atomaufsicht wieder mit Wasser gefüllt. In dem Becken werden verbrauchte hoch radioaktive Brennelemente mehrere Jahre gelagert. Sie müssen kontinuierlich gekühlt werden, um ihre restliche Strahlungsaktivität und ihre Temperatur gering zu halten.

Noch immer ist die Lage in Block 3 besonders kritisch. Reaktorkern und Brennstäbe sind beschädigt sowie die Kühlsysteme ausgefallen. In den vergangenen Tagen wurden externe Stromleitungen gelegt, um Kontroll- und Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen. Sie wurden jedoch aus Sorge vor Kurzschlüssen und wegen der zunächst notwendigen Überprüfung der technischen Geräte zunächst nicht unter Spannung gesetzt. Die betroffenen Reaktoren werden derzeit mit Meerwasser von außen gekühlt. In den Reaktoren 5 und 6, die weniger beschädigt worden waren, laufen die Kühlsysteme.

Derweil stellt auch der Temperaturanstieg am Kern des Reaktors 1 nach Ansicht des Betreibers einen Grund zur Sorge dar. Die Temperatur war auf 380 bis 390 Grad Celsius angestiegen. Normal seien knapp 300 Grad Celsius, erläuterte ein Tepco-Manager. Um den Reaktorkern herunterzukühlen, brauche man mehr Zeit. Auf die Frage, ob sich die Lage verschlechtert habe, antwortete Tepco-Vizepräsident Sakae Muto ausweichend: "Noch ist es zu früh, von hinreichender Stabilität zu sprechen."

Die Internationale Atomenergie Behörde (IAEA) ist wegen eines möglichen Lecks im Reaktor 1 besorgt. Man habe bisher nicht herausfinden können, ob der Sicherheitsbehälter des Reaktors beschädigt sei oder ob die Strahlung von überhitzten Abklingbecken für gebrauchte Brennstäbe stamme, teilte die IAEA mit. IAEA-Vertreter Graham Andrew sagte, es lägen zudem keine Informationen über die Temperaturen in den Abklingbecken der Blöcke 1, 3 und 4 vor. Allgemein sei die Situation weiter "sehr ernst".

"Es ist nicht immer so, dass keine Nachrichten gute Nachrichten bedeuten", sagte Andrews Kollege James Lyons. Seine Behörde habe vor rund sieben Tagen das letzte Mal Informationen von japanischen Behörden über den Zustand von Reaktor 1 erhalten. "Wir sehen, dass von der Anlage ständig Strahlung ausgeht. Und die Frage ist, wo genau sie herkommt", sagte Lyons.

Da erneut Rauch und Dampf über mehreren Reaktorblöcken aufstieg, musste die Arbeit am AKW Fukushima-1 wieder vorübergehend unterbrochen werden. Der ausgetretene Dampf sei ungefährlich gewesen, teilte Tepco mit. "Wir haben entschieden, dass es sicher ist, weiterzuarbeiten." Die Arbeiten am Stromnetz wurden nach einer fast zehnstündigen Unterbrechung wieder aufgenommen.

Erstmals wurde zur Bewässerung der überhitzten Reaktoren auch ein deutsches Spezialfahrzeug eingesetzt. Es handelt sich um einen Lastwagen der Firma Putzmeister, mit dessen Hilfe Wasser in den Abklingbecken für gebrauchte Brennstäbe in Reaktor 4 nachgefüllt werden soll. Das Fahrzeug verfügt über einen langen Teleskop-Arm, mit dem normalerweise Beton in große Höhen gepumpt wird. Ein ähnliches Fahrzeug mit einem 62 Meter langen Teleskop-Arm ist auf dem Weg aus China. Wie die dortige Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte, wurde das Fahrzeug in Shanghai eingeschifft und wird spätestens Donnerstag in Osaka erwartet.