Der Zustand der havarierten Reaktoren 1 bis 4 des Atomkraftwerks Fukushima-1 ist unverändert kritisch. Zwei Reaktoren des Atom-Wracks waren am Freitag ohne jede Kühlung. Die Lage im Reaktor 1 sowie im besonders stark beschädigten Reaktor 3 verschärfte sich zudem noch einmal. Die japanische Atomaufsicht stellte im Wasser der Anlage eine um das 10.000-fache erhöhte Strahlung fest.

Insgesamt ist an vier Reaktorblöcken radioaktiv belastetes Wasser entdeckt worden. Der Wasserpegel bei Reaktor 1 und 3 würde im Untergeschoss der Turbinenräume bei bis zu 40 Zentimetern beziehungsweise 1,5 Metern liegen, meldet die dpa. In den Reaktorblöcken 2 und 4 stehe das Wasser bis zu einem Meter beziehungsweise bis zu 80 Zentimeter hoch.

Warum das Wasser stark radioaktiv belastet ist, ist unklar. Experten vermuten, dass Brennstäbe zumindest teilweise geschmolzen sind. Die japanische Atombehörde erklärte, der Reaktorkern von Block 3 sei möglicherweise beschädigt. Später ergänzte ein Behördenvertreter, es lägen keine Hinweise vor, dass der Druckbehälter einen Riss hat. Die Radioaktivität im Wasser könne auch auf Versuche zurückzuführen sein, den Reaktor zu kühlen.

Der Kraftwerkbetreiber Tepco räumte ein, dass das Wasser aus dem Reaktorkern stammen könnte. Die genaue Quelle sei aber schwer zu bestimmen. Möglicherweise komme es auch aus dem Abklingbecken, in dem gebrauchte Brennstäbe gelagert werden. Ein Riss im Reaktor würde einen massiven Rückschritt bedeuten, das durch Erdbeben und Tsunami schwer beschädigte Kraftwerk unter Kontrolle zu bringen.

Am Freitag begann AKW-Betreiber Tepco, die Reaktorblöcke 1 und 3 mit Süßwasser aus einem Staudamm zu kühlen. Dasselbe sei im Laufe des Samstags (Ortszeit) auch bei Block 2 geplant. Zunächst hatte Tepco zur Kühlung Meerwasser eingesetzt, weil kein Süßwasser zur Verfügung stand. Doch Salz im Meerwasser greift das Metall in den Reaktoren an, verstopft die Mechanik und begrenzt so die Menge an Wasser, mit dem die Brennstäbe gekühlt werden können.

Die Krise sei noch nicht annähernd überwunden, räumte Ministerpräsident Naoto Kan in seiner seit einer Woche ersten öffentlichen Äußerung zur drohenden Katastrophe ein. Kan versuchte zugleich, Sorgen zu zerstreuen, in der Nuklearanlage 250 Kilometer nördlich der Millionenmetropole Tokio könnte sich bereits ein Super-GAU ereignet haben. Die Krise habe sich nicht verschärft, betonte Kan.

"Wir müssen weiter auf der Hut sein", sagte Kan. Es gebe zwar Fortschritte bei den Versuchen, eine Verschärfung der Krise zu verhindern. "Aber wir können nicht die Hände in den Schoß legen." Kans Äußerungen spiegelten die Sorgen der Bevölkerung wider. Drei Arbeiter, die sich um die Kühlung des heißgelaufenen Reaktors bemühten, waren radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden. Zwei von ihnen mussten am Donnerstag ins Krankenhaus gebracht werden, weil hoch kontaminiertes Wasser in ihre Stiefel lief.

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das nationale Institut für Strahlenforschung meldete, sind vermutlich radioaktive Partikel in die Körper der beiden verletzten Arbeiter gelangt. Die Männer zeigten aber keine Frühsymptome von Strahlenkrankheit und benötigten deshalb keine weitere Behandlung. Sie könnten ohne fremde Hilfe gehen und könnten wahrscheinlich am Montag entlassen werden.