Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-1 (Daiichi) ist es erneut zu einer Explosion gekommen. Diesmal war der Reaktorblock 2 betroffen. Um 6.15 Uhr Ortszeit (22.15 Uhr MEZ) sei ein Explosionsgeräusch zu vernehmen gewesen, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco während einer im japanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Anschließend habe man einen Druckabfall im Reaktorbehälter festgestellt. Dies deute darauf hin, dass die innere Druckkammer des Reaktors beschädigt worden sei.

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete unter Berufung auf Tepco, es werde der Austritt von Radioaktivität befürchtet. Laut der Nachrichtenagentur Jiji soll momentan Dampf aus dem nun beschädigten Dach des Komplexes emporsteigen. Ein Sprecher der Firma teilte dem Rundfunksender NHK zufolge mit, man habe die Regierung von der Notsituation unterrichtet. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es zu einer Kernschmelze komme.

Die japanische Atombehörde widersprach den Berichten über Schäden am Schutzmantel des Reaktors. Dieser habe "anscheinend keine Löcher".

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Den Berichten zufolge soll in der Umgebung des AKWs jedoch erhöhte Radioaktivität gemessen worden sein. Der Grenzwert sei überschritten worden. Tepco zufolge stieg die Strahlenbelastung an Fukushima-1 kurzzeitig auf 8217 Mikrosievert pro Stunde – die zulässige Obergrenze liegt bei 500 Mikrosievert, in Deutschland beträgt die natürliche Strahlenbelastung laut Bundesumweltministeriums in einem ganzen Jahr durchschnittlich 2400 Mikrosievert.

Laut den Angaben zufolge soll aber keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit von Menschen bestehen. Gleichwohl sprach die Betreiberfirma von einem "sehr schlimmen Szenario". Nach der Explosion habe man damit begonnen, einen Teil der Arbeiter in Sicherheit zu bringen. 50 Mitarbeiter seien aber noch vor Ort, um die Stabilität der Anlage zu sichern. Wie viele Menschen sich derzeit sonst noch in der Gefahrenzone aufhalten, blieb zunächst unklar.

Zum Zeitpunkt der Explosion herrschte Meteorologen zufolge Nordwind. Dies würde bedeuten, dass radioaktive Teilchen nach Süden in Richtung Tokyo gelangen könnten. Die japanische Hauptstadt liegt 260 Kilometer südwestlich von Fukushima-1. Der Agentur Kyodo zufolge ist in Ibaraki südlich von Fukushima bereits erhöhte Strahlung gemessen worden. Die Provinz liegt im Norden Tokyos.

Kyodo berichtete unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco weiter, dass das dringend benötigte Kühlwasser an den Brennstäben in Reaktor 2 wieder gestiegen sei. 1,20 Meter und damit ein gutes Viertel der vier Meter langen Brennelemente sei nun wieder mit Wasser bedeckt. Die Stäbe waren zuvor mehr als zwei Stunden ohne kühlende Flüssigkeit gewesen. Ohne Kühlung besteht die Gefahr einer Kernschmelze.

Bereits am Samstag hatte sich in dem AKW an Reaktor 1 eine Explosion ereignet, am Montag dann an Reaktor 3. Bei diesen ersten beiden Explosionen war allerdings nur das äußere Reaktorgebäude beschädigt worden. Die Anlage befindet sich im Nordosten Japans, der am vergangenen Freitag von einem heftigen Erdbeben und einem Tsunami verwüstet wurde. Neben Fukushima-1 bestanden zunächst auch an dem Kernkraftwerk Fukushima-2 (Daini) erhebliche Probleme. Zudem wurden aus den Anlagen Onagawa und Tokai Störungen gemeldet. An diesen drei Standorten soll die Lage aber inzwischen wieder stabil sein.

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan hatte vor der jetzigen Explosion noch mitgeteilt, persönlich die Leitung des Einsatzes zur Bewältigung der Reaktorkrise in Fukushima-1 zu übernehmen. Die Regierung bilde mit der Betreibergesellschaft Tepco einen gemeinsamen Krisenstab unter seiner Leitung. "Die Lage gibt weiter Anlass zur Sorge. Ich werde alle Maßnahmen ergreifen, damit der Schaden nicht größer wird", sagte Kan.