Von "Simplify your life" bis zur "Gerümpel-Diät", die Ausmisten und Abnehmen verbinden will: Wenn das Angebot an Ratgebern ein Maßstab ist, dann kämpft das Abendland gegen den Untergang im Chaos. Die ersten Sonnentage sind die beste Zeit, lokal zu handeln: Scheuchen Sie die Familie zur großen Entrümpelungsaktion durch die Wohnung.

Warum soll ich aufräumen?

Radikalsimplifizierer wie Bestseller-Autor Werner Tiki Küstenmacher glauben, dass wir uns von "gespeicherter Vergangenheit" trennen müssen, um "Zukunft zu gewinnen". Andere psychologisieren von der Verantwortung, die mit jedem Stück Besitz auf unseren Schultern laste. Es geht auch schlichter: Wer Ordnung hält, hat mehr Platz, mehr Zeit, weil er sich das ständige Suchen spart, und weniger Dreck, weil entrümpelte Zimmer sauberer bleiben. Und ist das ewige blöde Gefühl los, endlich mal aufräumen zu müssen.

Wie bekomme ich meine Familie ins Boot?

Machen Sie das Aufräumen zum gemeinsamen Projekt. Vermeiden Sie dabei alles, was nach Schuldzuweisung klingt – es sind nicht nur die Spielsachen der Kinder, nur seine Socken oder nur ihre Frauenzeitschriften, die die Unordnung verursachen. Werfen Sie nie Dinge weg, die anderen gehören, ohne den Besitzer zu fragen, so überflüssig sie Ihnen auch erscheinen. Gerade für Kinder haben anscheinend nutzlose Fundstücke oft geradezu existenzielle Bedeutung.

Meine Kinder und aufräumen? Das klappt nie!

Wer als Kindergartenkind nicht gelernt hat, Ordnung zu halten, lernt es als Teenager nimmermehr. Kindern gibt ein aufgeräumtes Zimmer aber keine Befriedigung – deshalb brauchen sie eine Belohnung. Die muss, raten Pädagogen, Bezug zum Verhalten haben, das gefördert werden soll. Also kein Süßkram, sondern zum Beispiel ein neues Spielzeug, wenn eine Kiste mit altem aussortiert ist.

Sind die Kinder nicht zu klein zum Helfen? Spielzeug aufheben und ins Kinderzimmer bringen können schon die Kleinsten – am liebsten auf der Ladefläche des Spielzeuglasters. Auch Sortieren kann Spaß machen: Lego in eine Kiste, Holzbauklötze in eine andere, das billige Plastikzeug am besten gleich in den Müll.

Spielsachen, Bilderbücher und Klamotten, für die das Kind zu alt ist, sollte man im Keller zwischenlagern, bis Geschwisterkinder so weit sind, oder beim nächsten Flohmarkt verkaufen.

Die ganze Wohnung aufräumen? Das schaffen wir nie!

Wenn Sie die Aufgabe überwältigt, halten Sie es mit Laotse: Auch der längste Weg beginnt mit einem kleinen Schritt. Portionieren Sie die Arbeit. Setzen Sie sich Ziele für jeden Raum und wechseln erst zum nächsten Zimmer, wenn Sie alles erreicht haben. Wenn die ganze Küche Ihnen zu bedrohlich erscheint, beginnen Sie mit dem Kühlschrank. Na gut: mit der Besteckschublade. Am besten fangen Sie aber im Wohnzimmer an: Hier kommen Gäste hin, deshalb soll es am ordentlichsten sein.

Im Wohnzimmer liegen oft Zeitungen und Magazine herum, die Sie irgendwann noch lesen wollten. Mal ehrlich: Das schaffen Sie doch sowieso nicht. Setzen Sie sich ein Limit: Heben Sie maximal fünf Exemplare pro Blatt auf. Seit Jahren ungelesene Bücher bringen Sie zum Antiquariat.

Im unordentlichen Schlafzimmer kommen Sie nicht zur Ruhe, vor allem, wenn Job-Lektüre oder Bürokleidung herumliegt. Den Kleiderschrank gehen Sie zum Schluss an, der braucht viel Zeit. Wie viel von dem Zeug tragen Sie noch? Im Schnitt ein Drittel, sagen Aufräumtheoretiker und empfehlen: Drehen Sie alle Kleiderbügel in eine Richtung. Wenn Sie ein Stück tragen, hängen Sie es nach der Wäsche mit umgedrehtem Bügel zurück. Alle Klamotten, deren Haken nach einem Jahr noch in die alte Richtung zeigen, schenken Sie Freunden oder der Kleiderkammer. Ja, auch dieses süüüße Kleid. Sie passen eh nicht mehr rein.

 

Das Badezimmer verdirbt mir morgens schon die Laune.

Das Bad ist ein Schwarzes Loch. Seine Anziehungskraft reißt Kleidungsstücke an sich, halbleere Shampooflaschen und uralte Medikamentenschachteln. Es wird von zerfaserten Zweitzahnbürsten und zinkenarmen Kämmen umkreist. Hier hilft nur radikales Aussortieren. Was bleibt, kommt in Kisten sortiert in den Schrank. Offen dürfen nur die täglich gebrauchten Werkzeuge und Kosmetika im Bad liegen.

Ordnung im Arbeitszimmer? Ich habe nun mal viel zu tun.

Aber muss denn jeder sehen, dass Sie damit nicht fertig werden? Papierberge sind kein Fleißbeweis, sondern lenken ab – am aufgeräumten Schreibtisch können Sie sich besser konzentrieren. Schaffen Sie ein System für Ihre Unterlagen. Bewahren Sie Papiere nicht länger auf als nötig: Wenn die Garantiezeit abgelaufen ist, kann die Quittung ins Altpapier.

Das kreative Chaos in meiner Küche brauche ich.

Wann haben Sie den Flammenwerfer für die Crème brûlée zuletzt benutzt? Was nur ein paar Mal im Jahr benötigt wird, gehört auf den Dachboden oder in den Keller. Und wofür brauchen Sie drei Weinkühler? Verschenken Sie zwei. Lassen Sie auf der Arbeitsfläche nur stehen, was Sie täglich brauchen. Werfen Sie alles weg, was nicht mehr essbar ist, und packen den Rest in luftdichte Behälter; Lebensmittelmotten haben schon manche Küche in ein Schmetterlingsgehege verwandelt. Wenn Sie die Pfandflaschen wegbringen, können Sie sich zur Belohnung schon fast ein Essen beim Italiener leisten.

Und alles Aussortierte kommt in den Keller?

Bloß nicht! Psycho-Aufräumer nennen den Keller das "Unterbewusstsein des Hauses", in dem sich sammelt, was nicht verarbeitet ist. Die Muscheln aus dem Mallorca-Urlaub 1998, die Notizen aus dem längst beendeten Studium, das Hochzeitsgeschenk von Tante Else: Brauchen Sie das wirklich noch? Wählen Sie streng aus; behalten Sie, wenn es sein muss, die Liebesbriefe Ihrer ersten Freundin. Was wirklich nicht weg darf, kommt in beschriftete Kisten.

Ich kann einfach nichts wegwerfen.

Dann steckt noch zu viel Jäger und Sammler in Ihren Genen. Machen Sie sich bewusst: Die Steinzeit ist vorbei. Es gibt Supermärkte. Sie werden weder hungers noch an Kälte sterben, wenn Sie die Marmelade von vorvorletztem Sommer oder die alte Wolldecke wegwerfen. Packen Sie Dinge, von denen Sie sich nicht gleich trennen können, in eine Kiste. Wenn die nach einem Jahr noch zu ist, werfen Sie sie komplett in den Müll.