Es ist schon erstaunlich, wie weltläufig wir geworden sind. Immer mehr Deutsche fühlen sich in erster Linie als Europäer. Jetten mal schnell nach Krakau oder Lissabon. Shoppen in Barcelona oder Wien. Machen Party in Prag. Staunen in Moskau.

Die Städte, wir kennen sie. Aber wie gut kennen wir die Menschen dort? Oft ist es einfacher, Klischees nachzuhängen: Über russische Möchtegernmillionärsgattinen. Boxende Ukrainer. Polnische Billigarbeiter. Elitär-arrogante Franzosen. Aufbrausende Spanier. Und melancholisch tanzende Portugiesen – was bleibt ihnen übrig bei der finanziellen Lage ihres Landes?!

Aber manchmal hat man unverschämtes Glück. Dann ruft das Goethe-Institut an und bittet, mal eben schnell all diese Klischees und noch viele mehr auf die Probe zu stellen. Auf einer zweiwöchigen Reise quer durch Europa. 6000 Kilometer in unterschiedlichsten Zügen von Moskau nach Lissabon. Stationen in Kiew, Krakau, Prag, Wien, Zürich, Lyon, Marseille, Barcelona, Madrid. In Summe kaum mehr als ein Tag Zeit pro Stadt, anderthalb Tage pro Land. Und alles nur mit der Bahn, das heißt: auch mal im Zug schlafen.

Ein Wahnsinn. Also super.

Mit dabei: Beppe Severgnini, der italienische Starkolumnist, mit dem ich schon im letzten Jahr quer durch Deutschland und Italien reisen durfte. Der Mann, der in Italien mutmaßlich bekannter ist als der Papst. Jedenfalls so bekannt, dass man auch mich, seinen Begleiter, des Öfteren um ein Autogramm bat. Um Beppe dann zuzuraunen: "Wer war der nette Kerl nochmal?". Am Ende war Beppe ein Stück deutscher geworden und ich ein Stück italienischer, also unpünktlicher.

Nun also ein gemeinsamer Trip quer durch Europa, immer dicht an der Grenze der Stereotypen und Vorurteile. Ich bin sicher, wir werden herausfinden, dass in russischen Zügen keine Multimillionärsgattinen reisen. Dass die Polen tiefgläubig sind oder zumindest Lech Wałęsa verehren. Die Franzosen gut zu leben wissen. Die Spanier gesellige Kumpels und die Portugiesen begeisterte Fußballfans sind. Und dass es in Zeiten des global identitätsstiftenden Internet kaum noch Unterschiede zwischen den jüngeren Bewohnern der europäischen Metropolen gibt. 

Vielleicht kommt alles aber auch ganz anders.

Der Verlauf der Reise wird im Blog des Goethe-Institut dokumentiert.