Zwei Tage nach dem Bombenanschlag in Minsk ist die Tat nach Angaben der Behörden aufgeklärt. Zwei Verdächtige hätten das Attentat auf die Minsker U-Bahn gestanden. "Heute Morgen um 5 Uhr haben sie ein Geständnis abgelegt", sagte der autoritär regierende Staatschef Alexander Lukaschenko. Die Verdächtigen hätten sich auch zu früheren Anschlägen in Weißrussland bekannt. Darunter seien ein Bombenattentat am Tag der Unabhängigkeit im Juli 2008 mit 50 Verletzten in Minsk sowie ein Anschlag in der Stadt Witebsk 2005.

Das Beweismaterial sei "erdrückend". Lukaschenko sprach von "Bergen von Audio- und Videomaterial" und "Hinweisen". Die beiden verdächtigen Männer stammen nach Medienangaben aus Weißrussland und sind etwa 30 Jahre alt. Mindestens einer von ihnen wurde aufgrund von Videobildern aus der Metrostation festgenommen. Er habe dort eine schwarze Tasche abgestellt und danach in einiger Entfernung in seiner Jacke herumgekramt, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Andrej Schwed.

"Diese Schufte sind normalen Arbeiten in einem Kollektiv nachgegangen, einer als Dreher, der andere als Elektriker", sagte Lukaschenko über die angeblichen Täter. Der seit 1994 regierende Staatschef rückte die Männer in die Nähe von Geistesgestörten. "Mir ist nicht klar, wie man die Anormalitäten dieser Schufte nicht sehen konnte", sagte Lukaschenko. "Wir wissen, wer sie sind, aber wir wissen noch nicht, warum sie es getan haben. Aber wir werden es bald wissen." Die Täter sollten "die strengste Strafe bekommen". Weißrussland ist das einzige Land Europas, das Verurteilte exekutiert – per Genickschuss.

Da die Attentäter Verbindungen zu "politischen Akteuren" gehabt haben könnten, sollen die Behörden nun auch gegen Regimegegner ermitteln. Lukaschenko wies sie an, Vertreter der prowestlichen weißrussischen Opposition zu vernehmen. Man müsse sich deren Aussagen genau ansehen. "Vielleicht legen diese Akteure aus der fünften Kolonne die Karten auf den Tisch und zeigen uns, wer diesen Anschlag angeordnet hat", sagte Lukaschenko. Beobachter hatten direkt nach dem Attentat gewarnt, der autoritäre Präsident werde nun die Repressalien gegen Oppositionspolitiker verstärken.

Weißrussland gedachte am Mittwoch mit Staatstrauer der zwölf Todesopfer. Bei dem Anschlag in der zentralen Haltestelle Oktjabrskaja waren am Montag auch etwa 190 Menschen verletzt worden. An öffentlichen Gebäuden wurden die Fahnen auf Halbmast gesenkt; vielerorts fielen größere Veranstaltungen und Feiern aus.