Die Polizei hat nach der Walpurgisnacht eine weitgehend positive Bilanz gezogen. Es gab zwar einzelne gewaltsame Ausschreitungen in Hamburg und Berlin, im Vergleich zu den Jahren zuvor blieb es jedoch ruhig.

Am Sonntagabend rechnet die Berliner Polizeiführung jedoch mit Gewalt und der "Guerillataktik" einzelner marodierender Gruppen. In Berlin ist für den Abend die sogenannte "Revolutionäre 1.Mai-Demonstration" angekündigt, bei der es in den vergangenen Jahren immer wieder zu erheblichen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen war.

Vergleichbar könnten die Aktionen mit denen nach der Räumung des linken Wohnprojekts Liebigstraße 14 im Februar sein, sagte ein Sprecher der Polizei zum Tagesspiegel. Einzelne Gruppen waren durch den Bezirk gezogen und hatten Scheiben eingeschlagen sowie Steine und Flaschen geworfen. Die Berliner Polizei ist mit etwa 6800 Beamten im Einsatz.

Insgesamt rechnete die Polizei – anders als in vielen Jahren zuvor – nicht damit, dass es zu massenhaften Krawallen der linksautonomen Szene kommt oder Krawall-Touristen nach Berlin fahren. Es sei eher zu erwarten, dass viele nach Hamburg oder in Städte mit angekündigten NPD-Demonstrationen reisen.

Mehrere Tausend Menschen protestierten am Sonntag in Greifswald und Heilbronn gegen die Veranstaltungen von Rechtsextremen. Nach Polizeiangaben versammelten sich in Greifswald 3000 Gegner einer dortigen NPD-Veranstaltung, in Heilbronn gingen rund 1000 Menschen gegen ein rechtsextremes Bündnis auf die Straße.

Die NPD-Demonstration in Greifswald konnte sich nach Polizeiangaben erst mit erheblicher Verzögerung in Gang setzen, nachdem sich mehrere NPD-Gegner zu Sitzblockaden versammelt hatten. Die Rechtsextremen mussten ihre Route ändern und wurden von ihren Gegnern immer wieder am Weitergehen gehindert. Die Polizei löste jedoch mindestens eine der Sitzblockaden auf.

Die Beamten erteilten rund 60 Platzverweise und nahmen drei Menschen vorübergehend fest. In Heilbronn demonstrierten nach Polizeiangaben knapp 1000 Anhänger der linken Szene gegen den dortigen Aufmarsch eines Bündnisses von Rechtsextremen. Die Polizei löste auch in der baden-württembergischen Stadt mehrere Sitzblockaden auf und nahm dabei insgesamt 300 Menschen vorübergehend fest.

In Bremen demonstrierten bereits am Samstag mindestens 4000 Menschen nach Polizeiangaben friedlich gegen einen Aufmarsch der NPD. Zu der Kundgebung hatte ein breites Bündnis von rund Hundert Initiativen aufgerufen, darunter Gewerkschaften und Parteien. Die Veranstalter sprachen von 6000 Teilnehmern.

Angehörige der autonomen Szene versuchten, den NPD-Aufmarsch zu stören. Aus den Reihen der Gegendemonstranten seien Flaschen, Steine, Böller und Eier geflogen, sagte ein Polizeisprecher. Vier Beamte seien leicht verletzt worden. Bei Rangeleien wurde auch Pfefferspray gegen die Linksautonomen eingesetzt. 23 Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen. Insgesamt hätten sich 400 gewaltbereite Linksautonome unter die friedlichen Demonstranten gemischt, teilte die Polizei mit.

Kleinere Ausschreitungen gab es in der Nacht zum Sonntag bereits in Hamburg und Berlin: In der Hansestadt setzten Demonstranten aus der linksautonomen Szene nach Angaben der Polizei ein Bundeswehrauto und mehrere Müllcontainer in Brand und bewarfen Polizisten mit Böllern. Vier Polizeiautos seien durch Steinwürfe beschädigt worden und elf Polizisten verletzt worden. Die Ausschreitungen in Hamburg begannen am Samstagabend, als ein Demonstrationszug mit rund 4000 Teilnehmern durch das linksalternative Schanzenviertel zog. Rund 2300 Polizisten waren im Einsatz. Sie gingen mit einem Wasserwerfer gegen die Randalierer vor.

In der Hauptstadt konzentrierten sich die Ausschreitungen weitgehend auf den Stadtteil Friedrichshain. Dort waren 2700 Polizisten im Einsatz, von denen 25 verletzt worden seien. Im Mauerpark in Berlin feierten etwa 1000 Leute die Walpurgisnacht. Möglicherweise verhinderten die relativ kühlen Temperaturen eine größere Feier. Bereits am Nachmittag hatten zahlreiche Polizisten Stellung bezogen. Zusätzliche Scheinwerfer und Absperrgitter standen bereit. Taschen wurden kontrolliert, Flaschen mussten abgegeben werden. Vor einigen Jahren war der Mauerpark oftmals der Startpunkt für die traditionellen Maikrawalle.