Frage: ... und bedrohlich. Sicher spielt dabei eine Rolle, dass viele Mädchen tatsächlich zum Tragen des Tuchs gezwungen werden.

Basogul: Das mag sein, betrifft aber nicht die Mehrheit. Es wird zu viel in das Tuch hinein interpretiert. Es ist ein Medium geworden, um den Islam zu kritisieren. Aus islamischer Sicht ergibt es übrigens überhaupt keinen Sinn, sein Kind zum Kopftuchtragen zu zwingen – man soll sich doch damit identifizieren können. Dass manche Eltern trotzdem so handeln, ist ein Problem. Ich bin dennoch gegen ein generelles Kopftuchverbot, zum Beispiel in der Schule, weil das wiederum die Freiheit von Frauen und Mädchen beschneidet, die es wirklich tragen wollen.

Frage: Besitzen Sie so viele Tücher wie andere Frauen Schuhe?

Basogul: Vielleicht 70, im Winter trage ich dickere Stoffe, jetzt im Sommer Seide. Aber Schuhe kaufe ich genauso gerne wie andere Frauen auch.

Frage: Cemil Ipekci, der wohl wichtigste türkische Modemacher, sagt, das Kopftuch sei ein "vernachlässigtes Accessoire".

Basogul: Da hat er Recht. Ich frage mich, warum das Tuch nicht auch von deutschen Frauen getragen wird. Es ist, abgesehen von der Religion, doch auch ein tolles Modeaccessoire. Wir Muslime haben das Kopftuch nicht für uns gepachtet!


Erschienen im Tagesspiegel