Die griechische Küstenwache hat das Schiff Dignité al Karama auf seinem Weg zum Gaza-Streifen vor Kreta gestoppt. Die Organisatoren sagten, sie seien in der Nacht zu Donnerstag in den Hafen von Sitia gezogen worden.

Das französische Schiff mit zwölf Besatzungsmitgliedern an Bord gehört zu der Hilfsflotte für den Gaza-Streifen. Es war bereits zuvor in einem Nachbarhafen aufgebracht worden, als es gerade volltankte. Die griechischen Behörden würden dem Schiff nun unter "dem Vorwand von Verwaltungsvorschriften" verbieten, in Richtung Gaza in See zu stechen, sagte eine Sprecherin des Organisationsteams.

Die Hilfsflotte aus mehreren Schiffen will die von Israel verhängte Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen, um Hilfsgüter in das Palästinensergebiet zu bringen. Rund 300 pro-palästinensische Aktivisten sowie 35 Journalisten aus 22 Ländern wollten sich an der Aktion beteiligen. An Bord der Dignité al Karama soll sich unter anderen der populäre französische Linkspolitiker und Ex-Präsidentschaftskandidat Olivier Besancenot befinden.

Die griechische Hafenpolizei bestätigte den Stopp der Dignité al Karama. Das Boot werde derzeit kontrolliert. Insgesamt liegen neun weitere Schiffe wegen eines Verbots der griechischen Behörden in den Häfen des Landes. Eines von ihnen war im Hafen von Athen schwer beschädigt worden. Unbekannte hätten die Schiffsschraube und die Antriebswelle des griechisch-schwedischen Passagierschiffs abgeschlagen, sagte einer der griechischen Organisatoren der Flotte, Dimitris Plionis. Er sprach von Sabotage.

Die griechischen Behörden führen zur Begründung ihres Verbots die Drohung Israels an, die Schiffe notfalls mit Gewalt zu stoppen. Vor einem Jahr hatten israelische Soldaten bei der Erstürmung eines ersten Hilfskonvois auf dem Meer neun türkische Besatzungsmitglieder erschossen.

Israel versetzte unterdessen die Mitarbeiter des internationalen Flughafen Ben Gurion in erhöhte Alarmbereitschaft. Die Polizei will mehrere Hundert pro-palästinensische Aktivisten an der Einreise hindern, die die Gaza-Hilfsaktion unterstützen wollen. Ab 21 Uhr MESZ würden Hunderte Polizisten im Einsatz sein, sagte deren Sprecher Mickey Rosenfeld. Alle Reisenden nach Israel müssen bis zum Freitagabend mit längeren Wartezeiten, schärferen Kontrollen und ausführlichen Befragungen direkt nach der Landung rechnen. Nach israelischen Medienberichten werden bis zum Freitagabend insgesamt 22.000 Fluggäste erwartet.

Israel hat nach einem Bericht der Haaretz von allen Fluggesellschaften verlangt, die Passagierlisten 48 Stunden vor dem Start zu übergeben. Israelisches Sicherheitspersonal auf europäischen Flughäfen sei angewiesen worden, Informationen über mögliche verdächtige Passagiere einzuholen. Diese würden noch vor der Passkontrolle festgenommen und in ihre Heimatländer zurückgeschickt.

Die pro-palästinensischen Aktivisten wollen eine Woche im Westjordanland verbringen und damit ihre Solidarität mit den Palästinensern demonstrieren. Die israelischen Sicherheitskräfte rechnen damit, dass Aktivisten auch an Demonstrationen gegen Israel teilnehmen. Innenminister Izchak Aharanowitsch bezeichnete die Aktivisten als Extremisten und Hooligans, die die öffentliche Ordnung stören wollten.

Der Großeinsatz der Polizei auf dem Flughafen Ben Gurion ist in Israel auch auf Kritik gestoßen. Namentlich nicht genannte Regierungsmitarbeiter hätten sich beschwert, dass Israel wie ein Polizeistaat und eine Bananen-Republik aussehe, berichtete die Tageszeitung Jediot Achronot. Die Aktivisten stellten keine bedeutsame Gefahr dar und die Hysterie sei übertrieben.