Der norwegische Geheimdienst hat bislang keine Hinweise auf Verbindungen des geständigen Attentäters Anders Behring Breivik zu terroristischen Zellen von Gleichgesinnten in Europa. Seit Freitag beschäftige sich der Geheimdienst eingehend mit der Frage nach Komplizen in Norwegen und dem europäischen Ausland und werde dem auch weiter nachgehen, sagte Geheimdienstchefin Janne Kristiansen. Die Behörden arbeiteten aber eng mit denen in Europa, den USA und anderswo zusammen.

Breivik hatte nach Angaben seines Anwalts behauptet, nicht nur Kontakte zu zwei Zellen in Norwegen, sondern auch zu Gleichgesinnten im Ausland gehabt zu haben. Dazu sagte Kristiansen, dass sie das für möglich halte, "aber nicht sehr wahrscheinlich". Medien hatten berichtet, der Norweger habe Verbindungen zur britischen English Defence League (EDL) gepflegt, die islamfeindliche Kampagnen organisiert. Diese dementierte allerdings umgehend den Kontakt zu ihm.

Auch Norwegens Behörden legen sich immer klarer auf eine Alleintäterschaft von Anders Breivik fest. Dem britischen Sender BBC sagte die Chefin des Geheimdienstes PST, Janne Kristiansen: "Breivik hat allein gehandelt." Mehrere Regionalzeitungen zitierten Kristiansen mit der Äußerung: "Dies ist ein einsamer Wolf, der unter alle unsere Radarsysteme schlüpfen konnte."

Die norwegische Polizei fahndet unterdessen nach einem möglicherweise gewaltbereiten Verehrer von Anders Breivik. Der Mann gelte als psychisch instabil und gefährlich, berichtete der Fernsehsender NRK. Die Polizei veröffentlichte ein Foto des 42-Jährigen, der nach einem Angriff auf eine Polizeistation erst am Montag aus dem Gefängnis entlassen worden war. Ein Polizeisprecher sagte der Agentur AFP, der Mann solle festgenommen und von einem Arzt untersucht werden.

Geheimdienstchefin hält Breivik für zurechnungsfähig

Der Anwalt des 32-Jährigen Attentäters, Geir Lippestad, hatte gesagt, der gesamte Fall deute darauf hin, dass sein Mandant "verrückt" sei. Psychiater sollten nun seinen Geisteszustand untersuchen. Die Geheimdienstchefin äußerte sich zu dieser Möglichkeit ablehnend: "Meiner Meinung nach ist er durchaus ein zurechnungsfähiger Mensch", sagte sie. Er sei konzentriert und berechnend und habe über Jahre hinweg an seinen Plänen gefeilt. All das passe nicht zu einem verrückten Menschen. Breivik sei vielmehr "vollkommen böse".