Im Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung News of the World verstärkt die Opposition den Druck auf die Regierung von Premierminister David Cameron. Die Labour-Partei forderte, umgehend einen Ermittlungsrichter zur ernennen, der die Affäre untersucht. Weil die Zeitung am Sonntag zum letzten Mal erscheint, müssten alle dokumentarischen Beweise, einschließlich Dateien und E-Mails, dringend gesichert werden.

Zuvor hatte die Zeitung The Guardian berichtet, die Polizei untersuche, ob bei dem Boulevardblatt Millionen interner E-Mails gelöscht wurden. Eine Sprecherin des Zeitungsverlages News International bezeichnete den Bericht als "Quatsch".

Camerons Büro teilte mit, man handle "so schnell wie möglich und wie es juristisch erlaubt ist" und sei bereits auf der Suche nach einem Richter für einen Untersuchungsausschuss. Vermutlich werde es am kommenden Mittwoch Gespräche zwischen Cameron und Labour-Chef Ed Miliband geben.

Cameron war unter Druck geraten, nachdem sein früherer Berater Andy Coulson festgenommen worden war. Coulson war zu der Zeit, in der Journalisten die Handys von mutmaßlich bis zu 4000 Menschen angezapft haben könnten, Herausgeber der News of the World. Er kam am späten Freitagabend auf Kaution frei und muss im Oktober erneut bei der Polizei erscheinen.

Der Präsident der Liberaldemokraten, Tim Farron, sagte, die Festnahme von Coulson werfe ein schlechtes Licht auf Cameron. Die Liberalen bilden derzeit die Koalitionsregierung mit den konservativen Tories von Cameron. Sowohl die Tories als auch die Labours hätten über die Jahre immer wieder versucht, sich Murdoch anzubiedern und seine Unterstützung zu bekommen, sagte Farron.

Laut Guardian wurde Medienmogul Murdoch am Samstag in London erwartet. Der 80-Jährige wolle die Zeitung persönlich abwickeln, hieß es. Von ihm selber hatte es seit der Eskalation des Skandals Ende der Woche keine offizielle Erklärung mehr gegeben. Für ihn steht in Großbritannien die millionenschwere Übernahme des britischen Senders BSkyB, für die er seit langem kämpft, auf dem Spiel.

Unterdessen wies Managerin Rebekah Brooks Forderungen nach ihrem Rückzug aus dem Vorstand von News International zurück. Sie soll von den Abhör-Aktionen bei News of the World gewusst haben, als sie dort Chefredakteurin war. Brooks sagte am Freitagabend vor Mitarbeitern, sie werde dabeibleiben, um den Ruf des Verlages wiederherzustellen. Zu Spekulationen, der Verlag werde bald eine neue Sonntagszeitung unter dem Dach des News of the World-Schwesternblattes The Sun herausbringen, äußerte sie sich nicht.

Der Murdoch-Konzern hatte am Donnerstag die Einstellung der News of the World angekündigt und damit die Konsequenzen aus dem Skandal gezogen. Mitarbeiter des Blatts sollen die Telefone von Prominenten, Angehörigen von Verbrechensopfern sowie Hinterbliebenen getöteter Soldaten gehackt haben. Scotland Yard zufolge könnten die Telefone von bis zu 4.000 Menschen angezapft worden sein.