Frage: Herr Ibrahim, Sie sind Nationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer in Somalia. Was können Sie uns über die Situation vor Ort berichten?

Ahmed Mohamed Ibrahim: Im Moment strömen sehr viele Menschen nach Mogadischu. Sie kommen aus Regionen Somalias, die sie wegen der anhaltenden Dürre verlassen mussten. Etwas außerhalb von Mogadischu gibt es Flüchtlingscamps. Viele der Hunger leidenden Familien suchen dort Zuflucht.

Frage: Wie ist die Lage in den Camps?

Ibrahim: Ich war mit einem SOS-Team im Darkenley-Camp nahe Mogadischu. Die meisten Kinder und älteren Menschen dort sind unterernährt. An den Essenausgabestellen gibt es nur Trockennahrung, lediglich an einer Stelle bekommen die Menschen Reis. Die kleine medizinische Station im Camp hat kaum Medikamente. Kranke Kinder müssen abgewiesen werden.

Ibrahim: Ich war mit einem SOS-Team im Darkenley-Camp nahe Mogadischu. Die meisten Kinder und älteren Menschen dort sind unterernährt. An den Essenausgabestellen gibt es nur Trockennahrung, lediglich an einer Stelle bekommen die Menschen Reis. Die kleine medizinische Station im Camp hat kaum Medikamente. Kranke Kinder müssen abgewiesen werden.

Frage: Was wird in Somalia momentan am meisten gebraucht?

Ibrahim: Es gibt wirklich so vieles, was jetzt wichtig ist. Die Not der hungernden Menschen ist tatsächlich grenzenlos. Was umgehend gebraucht wird, sind Nahrung, sauberes Wasser, Unterkünfte und Medikamente. Die Vereinten Nationen haben die Situation der Menschen in Teilen Somalias zur Hungersnot erklärt. Das ist für Somalia die schlimmste Dürre seit mehr als einem halben Jahrhundert. Es bedarf jetzt verstärkten Einsatzes an Nothilfe und Unterstützung, um so viele Leben wie möglich zu retten und um Existenzgrundlagen zu sichern.

Frage: Wie sieht es im SOS-Kinderdorf in Mogadischu aus? Sind Kinder und Mitarbeiter gut versorgt?

Ibrahim: Ja, uns geht es den Umständen entsprechend gut. Wir und die Kinder haben momentan genug zu essen. Man kann auf den Märkten in der Stadt noch Essen kaufen, allerdings zu höheren Preisen und das können sich nicht alle leisten. Viele Menschen haben durch die Dürre ihre Ernte und ihr Vieh verloren. Sie stehen vor dem Nichts und können die Nahrung einfach nicht bezahlen.

Frage: Wie gefährlich ist die Situation im SOS-Kinderdorf im Moment?  Das Kinderdorf musste in der Vergangenheit aufgrund des Bürgerkriegs schon mehrmals evakuiert werden.

Ibrahim: Im Moment ist die Situation ruhig. Die Gebiete, in denen gekämpft wird, sind von unserem Standpunkt aus weit entfernt. Dennoch beobachten wir natürlich immer die Bewegungen bewaffneter Einheiten. Wir analysieren genau, was vor sich geht und richten danach unsere Pläne für den Ernstfall aus. Im Notfall sind wir auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet.

Frage: Wie gehen die SOS-Kinderdörfer mit der Situation um? Welche Hilfsmaßnahmen sind geplant?



Ibrahim: Wir überlegen unter anderem, medizinische Hilfe im größten Flüchtlingscamp Mogadischus sowie in der Stadt Baidoa bereitzustellen. Außerdem wollen wir mit zwei neuen Zentren unsere Ernährungsprogramme für Kinder, die jünger als fünf Jahre sind, ausbauen. Zudem sollen bedürftige Familien mit Essen versorgt werden.

Die SOS-Kinderdörfer sind ja bereits seit 1985 in Somalia aktiv. Als im Jahr 1991 der Bürgerkrieg ausbrach, haben wir schon einmal ein großes Nothilfeprogramm gestartet. Wir konnten damals Tausende von Bedürftigen mit Essen und Medikamenten versorgen. Die Arbeit unserer medizinischen Einrichtungen in Somalia kommt jährlich mehr als 170.000 Menschen zugute, vor allem Kindern und Frauen. Bei unseren Gesundheits- und Ernährungsprogrammen arbeiten wir bereits seit rund 20 Jahren mit Unicef und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Wir beraten auch jetzt gemeinsam, wie wir den Not leidenden Kindern und Frauen am besten helfen können.