Der Norweger Anders Behring Breivik hat die Welt schockiert. Seine Tat kam aus dem Nichts, war scheinbar perfekt geplant und eiskalt ausgeführt. Auf den Bildern wirkt Breivik beängstigend unauffällig. Es fällt beinahe schwer, die Bilder dieses Menschen und seine Taten in einen Zusammenhang zu bringen. Ein Monster kann man auf den ersten Blick nicht erkennen.

Die Bilder, die gerade in den Medien gezeigt werden, stammen von Breiviks Facebook-Profil. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Facebook-Nutzer Fotos auf ihren Profilen gespeichert haben. Das Facebook-Profil von Breivik scheint allerdings erst wenige Tage alt zu sein. Das wirft einen unangenehmen Gedanken auf: Hat sich hier jemand eine Art Pressemappe auf Facebook angelegt, damit alle Welt nach seinem unmenschlichen Verbrechen weiß, wie der Täter aussieht?

Sollte das Breiviks Plan gewesen sein, ist er aufgegangen. Fast alle Medien haben die Bilder übernommen, die er zuvor ausgewählt hatte. Dazu hatte er noch ein paar Informationen über seine persönlichen Interessen, über seine Lieblingsbücher und –videospiele auf sein Profil gestellt, die von den Medien ebenfalls übernommen wurden.

Der Mann hat also ein ziemlich genaues Bild von sich selbst konstruiert, weil ihm bewusst war, dass er bald im Fokus des öffentlichen Interesses stehen würde. Er scheint sich sehr genau überlegt zu haben, was in seinem Facebook-Profil steht und wie es auf andere wirken mag. Ob diese Angaben der Wahrheit entsprechen, ist zweitrangig.

Die grundlegende Frage lautet für mich, ob wir als Gesellschaft wissen müssen, wie ein mutmaßlicher Massenmörder oder Attentäter aussieht. Die Frage stellt sich umso mehr, wenn er so bemüht darum ist, sich selbst in Szene zu setzen. Tut man ihm nicht einen Gefallen, wenn seine Bilder in den Medien gezeigt werden? Ändern die Bilder etwas an der Tat oder daran, wie wir den Täter sehen?

Die Medien sollten darauf verzichten, solche Bilder zu veröffentlichen. Sie sollten Quote und Auflage in solchen Momenten vergessen. Wir als Leser und Zuschauer sollten darauf verzichten, solche Bilder sehen zu wollen. Wir sollten Rücksicht auf die Betroffenen und die Angehörigen der Opfer nehmen, die das Gesicht des Peinigers vielleicht gar nicht sehen wollen. Die Nachrichten über die Attentate in Norwegen werden sicher bald von anderen Ereignissen verdrängt werden, die Bilder von Anders Behring Breivik aber werden ewig im Netz kursieren und das eine oder andere Mal Menschen einholen, die an dieses Gesicht nicht erinnert werden wollen.