Zwei ehemalige Führungskräfte der britischen Boulevardzeitung News of the World werfen James Murdoch vor, er habe vor dem Untersuchungsausschuss des Parlaments Falschaussagen gemacht. Die Vorwürfe drehen sich um mehrere E-Mails, die nahelegen, dass mehr als ein Reporter am Abhörskandal beteiligt war. Murdoch hatte vor dem Ausschuss behauptet, keine Kenntnis von diesen E-Mails zu haben. Sie seien ihm von dem Redakteur Colin Myler und Hausjurist Tom Crone verheimlicht worden.

Die beiden halten dagegen, sie hätten Murdoch über mindestens eine dieser E-Mails informiert. Diese enthält ein Abhörprotokoll und ist an "Neville" adressiert, wobei es sich wahrscheinlich um den News of the World-Chefreporter Neville Thurlbeck handelt.

James Murdoch ist der Sohn des Medienunternehmers Rupert Murdoch und als Generaldirektor für die Europa- und Asiengeschäfte von News Corporation zuständig. Er ist in den Abhörskandal der Boulevardzeitung verwickelt. Der Ausschussvorsitzende John Whittingdale kündigte an, das Gremium werde Murdoch bitten, die widersprüchlichen Aussagen zu erklären.

Abhörskandal weitet sich auch auf weitere Zeitungen aus

Unterdessen haben sich die Ermittlungen im Abhörskandal auch auf weitere Zeitungen und Verlage ausgeweitet. Die Polizei habe bereits vor einiger Zeit einen Bericht über Untersuchungen zur Verwendung privater Ermittler durch britische Zeitungen aus dem Jahr 2006 angefordert, teilte das Büro des britischen Datenschutzbeauftragten mit. Demnach führte die Tageszeitung Daily Mail mit 952 Anfragen an Privatdetektive die Liste an, die News of the World lag mit 228 Anfragen auf dem fünften Platz.

Der Abhörskandal schwelt seit Jahren. In den vergangenen Wochen war er neu aufgeflammt, als bekannt wurde, dass Journalisten von News of the World Tausende Telefone von Prominenten, Terror- und Mordopfern sowie Soldatenwitwen abgehört hatten. Außerdem hatte News of the World Bestechungsgelder an die Polizei gezahlt.