Spezialeinheiten der norwegischen Polizei haben im Zusammenhang mit den Anschlägen vom Freitag einen Einsatz im Osten der Hauptstadt Oslo durchgeführt. Die Ermittler haben kurzzeitig sechs Verdächtige festgenommen. "Es wurde kein Sprengstoff an dem Ort gefunden und die Festgenommenen wurden wieder freigelassen", erklärte ein Polizeisprecher. "Die Polizei verfügt über nichts, das diese Leute mit Terrorakten in Verbindung bringen könnte." Bei zwei Anschlägen in Oslo und auf der nahegelegenen Insel Utøya waren am Freitag 93 Menschen getötet und 97 weitere verletzt worden.

Die Polizei hatte am Vortag angekündigt, dass es noch weitere Maßnahmen geben könnte. Denn es gilt als unsicher, dass der mutmaßliche Attentäter Anders B. die beiden Anschläge allein ausgeführt hat. Er selbst behauptet das.

Der 32-Jährige hatte am Freitag auf der Fjordinsel Utøya ein Massaker angerichtet und mindestens 86 Jugendliche erschossen. Vorher waren bei der Detonation einer Autobombe im Osloer Regierungsviertel mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Der Attentäter hatte sich nach dem eineinhalbstündigen Massaker ohne Gegenwehr den auf der Insel eingetroffenen Antiterror-Spezialisten der Polizei ergeben und die Anschläge in der Nacht zum Sonntag gestanden.

"Übergang zur Propagandaphase"

Unterdessen kündigte der mutmaßliche Attentäter Anders B. an, dass er die Motive für die Anschläge bei einem Hafttermin öffentlich darlegen wolle. Sein Anwalt Geir Lippestad sagte, sein Mandant wünsche bei dem Termin am Montag in Oslo keinen Ausschluss der Öffentlichkeit. Die schwedische Zeitung Aftonbladet zitierte in ihrer Online-Ausgabe aus einem vor der Tat veröffentlichten "Manifest" von Anders B., dass er die mögliche Festnahme als "Übergang zur Propagandaphase" einstufe.

Zwei Tage nach den Anschlägen hat in Oslo ein Trauergottesdienst stattgefunden. "Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie", sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Der Regierungschef nannte in seiner Rede Opfer, die er persönlich kannte. Eines hatte 20 Jahre lang in jedem Jahr bei dem Ferienlager mitgewirkt. Ein anderer galt als hoffnungsvoller sozialdemokratischer Nachwuchspolitiker. Stoltenberg sagte: "Getötet, fort, für immer. Es ist nicht zu begreifen." An dem Gottesdienst nahmen auch König Harald und die norwegische Regierung teil.