Nach Polizeiangaben sind bei den Anschlägen in Norwegen insgesamt 76 Menschen ums Leben gekommen – acht bei dem Bombenanschlag in Oslo und 68 auf der Insel Utøya. Das teilte ein Polizeisprecher in Oslo mit. Bisher wurde die Zahl mit 93 angegeben.

Inzwischen seien alle Leichen von der Insel auf das Festland geholt worden. Trotzdem gehe die Suche nach möglichen weiteren Toten im Wasser und im Fjord weiter, sagte der Polizeisprecher. Die Anzahl könnte wieder steigen.

Die zu hohen Angaben seien dadurch zustande gekommen, dass die Polizei den anfänglichen Medienberichten über zehn bis 20 Tote entgegen treten wollte, ohne selbst einen genauen Überblick zu haben. Die Zahl der Opfer des Bombenanschlags in der Osloer Innenstadt wurde hingegen von sieben auf acht korrigiert.

Am Abend versammelten sich in Oslo tausende Menschen zum Gedenken an die Todesopfer. Mehrere Straßen im Stadtzentrum waren für den Autoverkehr gesperrt. Auch in zahlreichen anderen norwegischen Städten waren Trauerkundgebungen geplant. Am Mittag hatten die Menschen in Norwegen und anderen Ländern bereits mit einer Schweigeminute der Opfer des Doppelanschlags gedacht.

Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, die nach dem Bombenanschlag zeitweise gesperrte Osloer Innenstadt wieder normal zu nutzen. Man werde aber noch lange brauchen, um die stark beschädigten Gebäude des Regierungsviertels genau zu untersuchen. Es gebe "keine Garantien für hundertprozentige Sicherheit", aber man müsse auch Vertrauen in die Zukunft zeigen.

Zu den Taten bekannte sich der am Freitag festgenommene 32-jährige Anders Behring Breivik, für den ein Gericht in Oslo am Montag eine achtwöchige Untersuchungshaft anordnete. Er plädierte in seiner ersten Anhörung zugleich auf "nicht schuldig" und gab an, die Bluttaten seien gegen eine Ausbreitung von Islam und Marxismus in Norwegen gerichtet gewesen. Zugleich sprach er von "zwei weiteren Zellen" seiner Organisation, die zu zusätzlicher Gewalt bereit seien.