Dieser Miliz weist Breivik im Rahmen eines auf Jahrzehnte prognostizierten Kampfes eine entscheidende Rolle zu. Durch rücksichtslose und spektakuläre Taten müsse, ganz im Sinne der faschistischen "Tatgemeinschaft", Aufmerksamkeit geschaffen werden: "Um die kulturmarxistische/multikulturelle Medienzensur erfolgreich zu durchbrechen, müssen wir erheblich brutalere und atemberaubende Operationen durchführen, die Opfer fordern werden. Damit der Angriff an Einfluss gewinnt, müssen Attentate und der Gebrauch von Massenvernichtungswaffen hinzugezogen werden", heißt es in Breiviks Traktat.

Breivik selbst sieht sich als Anhänger einer "Wiener Denkschule" – eine direkte Referenz auf den antimuslimischen Blog Gates of Vienna. Auch die Jahreszahl 2083 auf dem Titelblatt seines Manifests beschwört die Wiederkehr der Entscheidungsschlacht gegen den Islam. Entsprechend weist sein Text signifikante Schnittmengen zu Verschwörungstraktaten wie dem Minority Report oder dem Eurabia-Code des skandinavischen Bloggers Fjordman auf, die seit Längerem in der Blogger-Szene zirkulieren.

Breivik bezeichnet seine Weltsicht als "Kreuzzugsnationalismus" und als "Hybrid verschiedener rechter Ansätze", für den er auf die Unterstützung von etwa 35 Prozent der Europäer hofft.

Kaum etwas an Breiviks Botschaften ist neu; die weltanschauliche Rahmung für dieses Traktat stammt zu großen Teilen aus dem virtuell feilgebotenen Selbstbedienungsladen der rechtspopulistischen Bloggerszene und deren parteipolitischen Akteuren sowie von neonazistischen Internetseiten.

Bei Breivik verdichten sich auf ebenso extreme wie profane Weise unterschiedlich gelagerte Feindbilder und Verschwörungstheorien zu einem apokalyptischen und terroristischen Kulturkampf-Szenario.

Alexander Häusler und Fabian Virchow forschen an der FH Düsseldorf zum Schwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus.