Mit einer Schweigeminute wollen die Menschen in Norwegen heute der 93 Toten bei zwei Anschlägen gedenken. Das kündigte Ministerpräsident Jens Stoltenberg nach einem Gespräch mit König Harald V. in Oslo an. Auch die Regierung im benachbarten Schweden hat die Bevölkerung zu der Schweigeminute um 12.00 Uhr aufgerufen.

Wenig später soll der geständige Attentäter Anders B. in Oslo einem Haftrichter vorgeführt werden. Der 32-Jährige hat laut BBC angekündigt, selbst zu der Tat und seinen Motiven auszusagen. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann maximal 21 Jahre Haft. Noch ist nicht klar, ob die Verhandlung öffentlich abgehalten wird. Das Gericht will über einen Antrag der Polizei entscheiden, die Anhörung hinter verschlossenen Türen zu führen.

Die Staatsanwaltschaft will für Anders B. ausnahmsweise acht Wochen Untersuchungshaft fordern und damit doppelt so viel wie üblich. Nach Angaben der Polizei ist normalerweise eine Untersuchungshaft von maximal vier Wochen möglich, in besonderen Fällen kann sie aber entsprechend verlängert werden.

Anders B. hat bei Vernehmungen bereits ausgesagt, am Freitag auf der Fjordinsel Utøya mindestens 86 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers getötet zu haben. Kurz vorher starben mindestens sieben Menschen durch eine von dem Mann platzierte Autobombe im Osloer Regierungsviertel. Das Büro von Ministerpräsident Stoltenberg wurde völlig verwüstet. Möglicherweise sollte die Explosion die Polizei ablenken. Anders B. habe die Taten zwar gestanden, sich aber nicht eines Verbrechens für schuldig erklärt, sagte der amtierende Polizeichef Sveinung Sponheim.

Nach den Ermittlungen handelte Anders B. wahrscheinlich als Einzeltäter. Neun Jahre lang soll der von den Behörden als "christlicher Fundamentalist" eingestufte Mann seine Taten geplant haben. Die Polizei äußerte sich zurückhaltend zum Motiv. Sie stieß im Internet auf eine 1.500 Seiten lange Hassschrift des mutmaßlichen Täters.

Polizei verteidigt sich gegen Kritik am Einsatz

Angesichts wachsender Kritik an ihrem Einsatz auf der Insel hat die Polizei ihr Vorgehen verteidigt. Ein ranghoher Polizeioffizier widersprach Angaben, wonach der mutmaßliche Schütze für das Massaker eineinhalb Stunden Zeit gehabt habe, bevor er überwältigt worden sei.

Polizeioffizier Johan Fredriksen sagte auf einer Pressekonferenz, zwischen der ersten Meldung der örtlichen Polizei an die Osloer Polizei um 17.30 Uhr und dem Hilfeersuchen um 17.38 Uhr seien acht Minuten vergangen, um 18.25 sei dann ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando aus der Hauptstadt auf Utøya eingetroffen und habe den mutmaßlichen Täter zwei Minuten später überwältigt.