Bei einer schweren Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Nach Angaben der Polizei beschädigte die Wucht der Detonation Regierungsgebäude und den Verlagssitz der größten norwegischen Boulevardzeitung VG. Die Zahl der Toten ist nach dem Anschlag unklar. Laut Polizei liegen mehrere Leichen auf der Straße. Der Sender NRK berichtet von mehreren Toten im Regierungsgebäude.

Auch das Gebäude mit dem Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg wurde von der Explosion getroffen. Stoltenberg selbst sei aber nicht zu Schaden gekommen. Der Regierungschef hielt nach dem Anschlag seinen Aufenthaltsort geheim. Die Lage sei "sehr ernst", sagte Stoltenberg in einem Telefonat mit dem Fernsehsender TV2. Es sei aber zu früh, jetzt schon von einem Terroranschlag zu sprechen. Er versicherte, alle Minister seines Kabinetts seien unversehrt.

Die Polizei sprach von einer unklaren Situation und machte keine genauen Angaben zur Ursache der Explosion. Es seien Hinweise eingegangen, dass vor der Explosion ein großes Auto auf die betroffenen Gebäude zugesteuert sei. Zwischen den Regierungsgebäuden befand sich nach der Detonation ein Autowrack.

Nach dem Eindruck von Augenzeugen könnte es sich dabei um die Überreste einer Autobombe handeln. "Es explodierte – es muss eine Bombe gewesen sein. Leute liefen in Panik herum. Ich habe mindestens zehn Verletzte gezählt", berichtete die Augenzeugin Kjersti Vedun. Der Terrorexperte Tore Björgo sagte dem Sender NRK: "Es ist mir schwer vorstellbar, dass es sich um etwas anderes als ein Attentat gehandelt haben könnte."

Die Innenstadt von Oslo wird evakuiert. Neben der Polizei sind auch die Militärpolizei und Angestellte privater Sicherheitsgesellschaften im Regierungsviertel im Einsatz. Auch eine Räumung des Hauptbahnhofs wurde angeordnet. Mehrere Einkaufszentren und der Fernsehsender TV2 seien ebenfalls evakuiert worden, schrieb die Zeitung Dagbladet. Die Polizei rief die Bevölkerung dazu auf, das Zentrum Oslos und große Menschenansammlungen zu meiden.

Das Onlineportal der größten Zeitung VG berichtet von einem Video polnischer Herkunft, das am Nachmittag auf Youtube veröffentlicht wurde. In diesem Video wurde angeblich vor einem Anschlag in Oslo gewarnt.

Dagbladet berichtete weiter, dass möglicherweise das Öl- und Energieministerium das Ziel der Anschläge gewesen sei. Es sei am stärksten verwüstet worden, heißt es. Ebenfalls schwer beschädigt wurde das Hochhaus, in dem sich Stoltenbergs Büro im obersten Stockwerk befindet. Die Fensterfront des Gebäudes war fast völlig zerstört. Auch andere Ministerien sind in dem Haus untergebracht. Das Erdgeschoss sei "wie weggeblasen", hieß es in einem Augenzeugenbericht der Zeitung Aftenposten.

Das Norwegische Rote Kreuz berichtete laut BBC, dass einige Verletzte noch in den Regierungsgebäuden eingesperrt sind. Die Rettungsmannschaften stünden aber mit ihnen im Kontakt. In dem Gebäude des Öl- und Energieministeriums habe es zudem gebrannt. Straßen in der Umgebung wurden gesperrt, da weitere Explosionen befürchtet wurden. Die Menschen wurden im Rundfunk aufgefordert, der Gegend fernzubleiben.

Die Notfallmedizin des Krankenhauses Ullevål hat bisher keinen Überblick über die Zahl der Verletzten. "Alle Rettungskräfte sind vor Ort und die Polizei versucht, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen", sagte Polizeisprecherin Unni Grøndal.

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