Wie Herr Sarrazin in der Vergangenheit Menschen begegnet ist, die trotzdem die sachliche Auseinandersetzung mit ihm gesucht haben, wurde bei unzähligen Gelegenheiten, so zum Beispiel im Herbst letzten Jahres anlässlich einer Buchvorstellung in München, augenfällig. Der Münchner Soziologie-Professor Armin Nassehi wurde als Gesprächspartner von Sarrazin herablassend behandelt und vor dem pöbelhaften Verhalten der Zuschauer nicht in Schutz genommen. Das zumindest hätte der bürgerliche Anstand geboten. Die Arroganz, mit der Sarrazin seinen Kritikern begegnet, ist seitdem nicht weniger geworden.

Was hatten die Fernsehmacher geplant? Wollten sie Herrn Sarrazin dabei filmen, wie er in seiner "Herrenreiter-Attitüde" ( Süddeutsche Zeitung ) Kreuzberg abschreitet? Welche Rolle war den Berliner Türken zugedacht? Sollte der türkische Gemüsehändler wirklich mit Sarrazin an einen Tisch sitzen und ihm schildern, wie schwer es ist, morgens in der Früh aufzustehen, um zum Großmarkt zu fahren? Sollte der Restaurantbesitzer dem Ex-Bundesbanker vorführen, dass er sich alles mit seiner Hände Fleiß erschaffen hat? Sollte der arbeitslose Kaffeehausbesucher das SPD-Mitglied Sarrazin davon überzeugen, dass auch "unproduktive" Menschen eine Daseinsberechtigung haben? Wollen wir wirklich über solche Ansichten diskutieren? Ist die Verweigerung eines solchen Diskurses anti-demokratisch?

Dass die als Statisten für diese Inszenierung ausgesuchten Menschen sich dem verweigert haben, ist nur zu verständlich. Gleichsam sind sie zu Statisten für eine andere, ebenso berechnete Inszenierung geworden – die vom aufbrausenden, beleidigten Türken. Und so haben die Filmemacher doch noch ihre Story bekommen.