Dem früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn droht nun auch in Frankreich ein Strafverfahren wegen versuchter Vergewaltigung. Die Autorin Tristane Banon werde am Dienstag in Paris Anzeige gegen Strauss-Kahn erstatten, sagte ihr Anwalt David Koubbi. Banon wirft dem damaligen französischen Finanzminister vor, sie 2002 auf dem Weg zu einem Interview sexuell bedrängt zu haben. Die Vorwürfe waren seit Längerem bekannt.

Die Französin hatte heimischen Medien nach Strauss-Kahns Festnahme in den USA Mitte Mai berichtet, er habe sie 2002 sexuell genötigt. Die Journalistin schloss sich der Klage in den Vereinigten Staaten zunächst aber nicht an, weil sie sich nicht von der US-Justiz "instrumentalisieren" lassen wolle, sagte ihr Anwalt.

Auch unmittelbar nach dem Interview mit Strauss-Kahn habe die damals 22-Jährige auf eine Anzeige verzichtet. Davon habe ihr ihre Mutter abgeraten, die Kommunalpolitikerin in Strauss-Kahns sozialistischer Partei ist. Zudem galt er als Freund der Familie.

Strauss-Kahn ließ die Vorwürfe umgehend zurückweisen. Er werde Banon wegen Verleumdung verklagen, teilten die Anwälte des Beschuldigten mit. Der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung sei frei erfunden.

Nach französischem Recht verjähren Sexualdelikte nach drei Jahren, bei versuchter Vergewaltigung beträgt die Frist jedoch zehn Jahre. Banon hatte im Mai gesagt, heute bedauere sie die damalige Entscheidung.

Bereits im Februar 2007 hatte die Autorin in einer Fernsehsendung berichtet, Strauss-Kahn habe sie fünf Jahre zuvor zu vergewaltigen versucht. Den Namen des sozialistischen Politikers überlegte der Sender allerdings mit einem Piepton, um ihn unkenntlich zu machen. Banon sagte, Strauss-Kahn sei über sie hergefallen, als sie ihn bei den Vorarbeiten zu ihrem ersten Buch getroffen habe.

Dem früheren IWF-Chef wird in den USA die versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten vorgeworfen. Weil der Staatsanwaltschaft jedoch erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin gekommen sind, könnte die Anklage in sich zusammenbrechen. Am Freitag hob ein Gericht in New York den Hausarrest gegen Strauss-Kahn auf. Seinen Reisepass erhält er aber vorerst nicht zurück.