Es ist Donnerstag, 15.20 Uhr. Im Casino Royale in Monterrey ist um diese Zeit schon einiges los. Das zweigeschossige Spielkasino an der Straßenecke Gonzalitos und San Jerónimo hat für mehrere Hundert Gäste Platz, seit drei Jahren ist es in Betrieb. Es ist eines der beliebtesten Kasinos der nordmexikanischen Stadt.

Dann geht alles ganz schnell: Vier Geländewagen fahren vor, rund zwei Dutzend vermummte, schwerbewaffnete Männer steigen aus, stürmen ins Gebäude und brüllen die Anwesenden an, sich auf den Boden zu werfen. In Panik flüchten Besucher und Angestellte in den hinteren Teil, wo sich die Toiletten befinden. Augenzeugen berichten von einer Schießerei , auch eine Granate wird angeblich abgefeuert – Angaben, die von den Ermittlern zunächst nicht bestätigt werden. Dann hätten die Angreifer Benzinkanister ausgeschüttet und das Gebäude in Brand gesteckt.

Das Kommando verschwindet so blitzartig, wie es gekommen ist, rasch breiten sich Flammen im Gebäude aus. Mehr als hundert Gästen gelingt die Flucht über die Dachterrasse. Andere, vor allem Frauen, schaffen es mit der Unterstützung eines Angestellten, sich durch ein kleines Fenster auf den Parkplatz hinaus ins Freie zu retten. Als die Feuerwehrleute kommen, brennt das Gebäude lichterloh. Eine Stunde später rammen Rettungskräfte mit Baggern Löchern in die Wände, durch die einige Menschen der Flammenhölle entkommen können.

Doch diejenigen, die in den hinteren Teil geflüchtet sind, stecken in der Falle. Die Notausgänge sind versperrt und mit Schlössern verriegelt. Auch die Bäder und ein unterirdischer Parkplatz bieten keinen Schutz vor Rauch und Flammen. Einige telefonieren noch mit ihren Angehörigen, doch dann verliert sich der Kontakt. Sie suche ihren Bruder, einen Angestellten des Kasinos, berichtet Maria Tomas Navarro schluchzend Reportern, als sie Stunden nach dem Angriff noch vor dem Gebäude ausharrt. Angehörige der Opfer werden die langsamen, unkoordinierten Rettungsarbeiten später kritisieren.

Viele der Eingeschlossenen sind erstickt oder verbrannt. Von einer "tödlichen Falle" spricht der Zivilschutzbeauftragte Jorge Camacho. Vier Stunden brauchen die Feuerwehrmänner, um den Brand zu löschen, zurück bleibt eine schwarze Ruine. 53 Leichen konnten die Bergungsmannschaften bis zum frühen Freitagmorgen bergen. Zehn Menschen wurden demnach verletzt.