Arid U. sitzt mit geschlossenen Augen im Gerichtssaal, die Hände auf den Knien. Er hat sich die Tränen weggewischt. Fünf Stunden dauert sein erster Prozesstag bereits. Zu Beginn hat U. den drei Richtern des Oberlandesgerichtes Frankfurt versprochen, alle Fragen zu beantworten. Doch an entscheidenden Stellen ist er ihnen ausgewichen.

Was er getan habe, sei falsch gewesen, sagte U. vor Gericht. Die Argumente, mit denen er die Tötung zweier US-Soldaten am Frankfurter Flughafen gerechtfertigt habe, seien "totaler Schwachsinn". Er bat die Angehörigen der Opfer um Verzeihung. Am 2. März 2011 hatte der 21-Jährige auf amerikanische Soldaten geschossen, die mit einem Bus zum Militärstützpunkt Ramstein fahren wollten. Zwei Menschen starben, zwei weitere wurden schwer verletzt. Die Tat hat U. zugegeben – trotzdem wird das Verfahren noch mindestens bis Januar dauern.

Auf die Frage, warum der im Kosovo geborene Mann zum Täter wurde, gibt es noch keine Antwort. Einiges spricht dafür, dass er heimtückisch gemordet hat. Die Waffe, so schildert er es selbst, habe er verdeckt in seinem Rucksack durchgeladen und dann seinem ersten Opfer aus nächster Nähe von hinten in den Kopf geschossen.

Ist Arid U. mit dem Ziel, Ungläubige zu töten, in seinen privaten Dschihad gezogen, wie es ihm die Bundesanwaltschaft vorwirft? Hat er islamistische Propaganda nicht mehr von der Wirklichkeit unterscheiden können, wie er behauptet? Spielte eine vermeintliche psychische Erkrankung eine Rolle?

Das Bundeskriminalamt habe die Tat minutiös rekonstruiert, sagte der leitende Ermittlungsbeamte vor Gericht aus. U. habe sich ideologisch auf die Tat vorbereitet. Am Morgen soll er auf seinem Computer in einem Buch von Abdallah Yusuf Azzam gelesen haben, der als der geistige Vater des Dschihadismus und als Mentor von Osama bin Laden gilt. Von dem Moment an, in dem er den Bus zum Flughafen bestieg, bis zu jenem Augenblick, als er einen der US-Soldaten ansprach, soll er auf seinem MP3-Player 18 Lieder gehört haben, die zum Heiligen Krieg aufrufen. Und am Abend vor der Tat soll er sich ein Video mit dem Titel When Death becomes a Wedding angeschaut haben. Zu arabischen Gesängen werden die Bilder von angeblich toten Selbstmordattentätern gezeigt – sie haben ein Lächeln auf den Lippen.

Arid U. selbst stellt sein Motiv anders dar: Mit Religion habe seine Tat wenig zu tun, er habe vielmehr weiteres Leid im Afghanistan-Krieg verhindern wollen. Es sei ihm nicht um Ungläubige gegangen, sondern um US-Soldaten, die auf dem Weg zum Hindukusch waren. U. behauptet, kurz vor der Tat einen der US-Soldaten direkt auf den Militäreinsatz angesprochen zu haben. Erst dann habe er seine Waffe geladen. In den Minuten unmittelbar vor der Tat sei er innerlich zerrissen gewesen. An das, was nach dem ersten Schuss geschah, könne er sich nicht mehr erinnern.

Der Anlass für seine Tat war laut U. ein Video, dass er am Abend zuvor gesehen hat. In den grün-schwarzen Bildern einer Nachtsichtkamera ist darin zu sehen, wie US-Soldaten vermeintlich eine afghanische Frau vergewaltigen. Das Video wird vor Gericht abgespielt: Die Bilder deuten das Geschehen nur an, eindringlich sind die Schreie der Frau. Ursprünglich stammt die Szene aus einem Spielfilm, doch in dem islamistischen Propaganda-Video will U. sie für echt gehalten haben.