In Berlin brennen wieder Autos – und die Polizei ist ratlos. So ratlos, dass sie auf die Hilfe der Bürger hofft: 5.000 Euro Belohnung verspricht die Polizei für Hinweise auf die Brandstifter.

Trotz der hundert Beamten der "Brandschutzstreife" ist die Polizei nahezu machtlos: Ein Auto anzuzünden dauert wenige Sekunden, bis Anwohner oder gar Polizei etwas mitbekommen, ist der Täter längst verschwunden. Außerdem hinterlässt, wer einen Wagen abfackelt, selten Spuren an dem ausgebrannten Wrack, erklärt Thomas Neuendorf, Sprecher der Berliner Polizei. "Man legt einen Grillanzünder auf den Reifen. Wenn das Auto brennt, ist der Täter schon drei Straßenzüge weit weg."

Deshalb kam es in den vergangenen zwölf Monaten nach Angaben der Justizpressestelle zu lediglich drei Prozessen wegen Autobrandstiftung. Einer endete mit einem Freispruch, die anderen zwei mit Verurteilungen. Seit Jahresbeginn zählte die Polizei etwa 250 brennende Autos. Die Hälfte davon stuft sie als Taten von Linksextremisten ein, weil bestimmte Indikatoren darauf hinwiesen, sagte ein Polizeisprecher.

Über die Motive kann jedoch nur spekuliert werden. Was teilweise als linksradikale Tat eigestuft wird, sei in vielen Fällen reine Brandstiftung, sagte die Sprecherin des Berliner Innensenators, Nicola Rothermel-Paris. Auch Innensenator Erhart Körting gibt zu, man wisse nichts über den oder die Täter, oft spiele Nachahmung eine Rolle.

Polizeisprecher Neuendorf ist davon überzeugt, dass die neuen Brände nichts mehr mit politischen Taten zu tun haben. 2009 sei Brandstiftung in der linksradikalen Szene "ein probates Mittel" gewesen, damals habe es viele Brandanschläge und entsprechende Bekennerschreiben gegeben. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Taten aber deutlich zurückgegangen.

Nun brennen wieder mehr Autos, doch ohne dass es Bekennerschreiben oder positives Echo auf Webseiten gebe. "In der Szene hat ein grundlegender Wandel stattgefunden", sagt Neuendorf. Die einstigen Unterstützer hätten anerkannt, dass durch die Brandstiftung oft "die Falschen" getroffen würden. Außerdem hätten sich die Taten von den Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain, in denen gegen Gentrifizierung gekämpft wird, in bürgerliche Stadtteile wie Charlottenburg verlagert.