"Vielleicht sollte das Militär durchgreifen."

Fabian Ehlers, Student der Theaterproduktion an der University of Nottingham, lebt im Stadtteil The Park in Nottingham: 

"Ich studiere seit März 2010 hier in Nottingham. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Riots nerven mich sehr. Mein College wurde mit Steinen angegriffen, und sie haben die Fenster eingeschlagen. Ich lebe eigentlich in einem ruhigen Gebiet, trotzdem haben die Randalierer auch hier die Polizeistation angezündet. Die Wache ist nur 200 Meter von meiner Wohnung entfernt.

Um die Bürger zu beruhigen, hat die Nottinghamer Polizei einen Twitterfeed erstellt, über den Informationen herausgegeben werden. Die Menschen sollen beruhigt werden. Am Tag ist es auch wirklich sicher, aber sobald es dunkel wird? Nach acht, neun Uhr am Abend gehe ich nicht mehr auf die Straße. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Ich bin total genervt von den Leuten, die dieses Chaos veranstalten. Die haben keinen Respekt vor niemandem. In London kann ich es ein bisschen verstehen, aber hier in Nottingham, in Birmingham oder in Manchester macht der Krawall absolut keinen Sinn! Der Auslöser für die Ausschreitungen, der von Polizeikugeln getötete Mann in Tottenham, ist einfach nur eine Entschuldigung, um Sachen zu klauen und Chaos zu verbreiten. Jeden Morgen gehen wir auf die Straße und räumen den Dreck auf, den die Leute gemacht haben. Ich denke, es ist Zeit, härter durchzugreifen, vielleicht sogar mit dem Militär. Das könnte die Situation schnell auflösen. David Cameron erzählt, dass Wasserwerfer bereitstünden, die in 24 Stunden da wären. Das dauert mir aber zu lange. Wir müssen jetzt handeln und nicht morgen."

"Mehr ein Spiel mit der Polizei"

Patrick Giese, Martin Woestmeyer, Urlauber im Northern Quarter in Manchester

"Wir sind Dienstagnachmittag in Manchester angekommen. Bis Donnerstag bleiben wir in einem Hotel zwischen Innenstadt und Northern Quarter, direkt auf der Church Street. Als etwas übervorsichtig empfanden wir, dass kurz nach unserer Ankunft die Fernseher in der Lobby abmontiert worden waren. In den frühen Abendstunden sahen wir vom Balkon unseres Zimmers im 13. Stock aus immer mehr Kinder und Jugendliche in Kapuzenpullovern auf die Straßen kommen, plötzlich auch die Polizei. Die Horden von jungen Leuten verteilten sich blitzschnell in die Seitenstraßen, versperrten die Zugänge mit Müllcontainern. Einige wenige warfen Steine oder zündelten, aber es war mehr ein Katz-und-Maus-Spiel. Weder die Polizei noch die Jugendlichen suchten die direkte Konfrontation. Wenn die Polizisten auf ihren Schildern trommelnd durch die Straßen rannten, verschwanden alle Jugendlichen. Wenn berittene Polizisten eine Kreuzung sicherten, blieben die Straßen leer. Die Anwohner verfolgten alles gebannt von den Dächern ihrer Häuser aus. Ein Anwohner brachte einen Trog Wasser für die Polizeipferde.

Als es scheinbar ruhiger wurde, trauten wir uns für fünf Minuten auf die Straße. Die Scheiben des Supermarktes neben dem Hotel waren eingeschlagen, dahinter hatten sich die Angestellten verbarrikadiert. Eine neue Horde Jugendlicher trieb uns zurück ins Hotel, das Spiel begann von vorne.

Heute, am Mittwochmorgen ist die Stadt schon wieder aufgeräumt.
 Überall sieht man Menschen mit Besen in der Hand. Unter ihnen sind überraschend viele Jugendliche, die mithelfen. Es herrscht eine positive Stimmung unter den Anwohnern. Sie wollen Stärke zeigen und marschieren provokativ mit den Besen durch die Stadt."