Umgekehrt hat dieser Konflikt und die schwierige wirtschaftliche Situation die gläubigen Jugendlichen noch stärker an die Kirche gebunden. "Mit einer Jugendarbeitslosigkeit von über 40 Prozent bietet die Religion der spanischen Jugend Sicherheit und einen Sinn im Leben. In der Kirche fühlen sich viele beschützt vor den Schwierigkeiten des Lebens", sagt Barbeito.

Das zeigt sich auch in den Jugendtagsbesuchern: "Die WJT-Teilnehmer sind vom Profil sehr aktiv und gewillt, dies auch öffentlich zu zeigen", sagt Evaristo Villar, Vorsitzender der Christlichen Netzwerke, einer Vereinigung von 153 katholisch-progressiven Basisgruppen. Er resümiert: "In Spanien und in Europa generell gibt es immer weniger den Katholizismus praktizierende Jugendliche, aber diese sind aktiver und stehen fester hinter dem Glauben". So wie Jan, Stefan und Jonathan oder die 25-jährige Julia Muniz, die aus dem nordspanischen Oviedo zum WJT gekommen ist. Sie sagt: "Wir können den anderen auf dem WJT zeigen, dass sie nicht alleine in ihrem Glauben stehen. Dass es etwas ganz normales ist, an Christus zu glauben."

Der Theologe Villar nimmt allerdings auch an, dass sich spanische gläubige Jugendliche in einer für sie immer feindlicher werdenden Gesellschaft radikalisiert hätten. Denn es erhielten auch erzkonservative kirchliche Bewegungen wie Opus Dei oder der Neokatechumenale Weg in den vergangenen Jahren in Spanien mehr Zulauf von Jugendlichen als in jedem anderen europäischen Land.

Manchmal schlägt dieses "Verteidigungsverhalten gegen eine glaubensfeindliche Welt" auch in Kriminalität um, wie am Dienstag die Festnahme eines mexikanischen Studenten in Madrid zeigte, der anscheinend plante, die Teilnehmer des für Mittwochabend angekündigten Protestmarsches gegen die hohen Kosten des Papstbesuchs mit hausgemachten Giftgasen und Chemikalien anzugreifen.

Der Soziologe Barbeito meint, der Vatikan habe bewusst Spanien, die alte Hochburg des Katholizismus, für den diesjährigen Weltjugendtages ausgewählt. Es sei ein offenes Geheimnis, dass der Papst so oft nach Spanien reise, weil er die alte Bastion zum Schlachtfeld im Feldzug gegen den sich in ganz Europa ausbreitenden Laizismus machen wolle.

Madrids Erzbischof Antonio Maria Rouco Varela leugnet das nicht. Natürlich versuche die Kirche mit dem Weltjugendtag "einen Impuls zur Neudurchdringung der europäischen Jugend mit der christlichen Botschaft auszulösen". So sprach er während seiner Eröffnungsmesse auch vom "um sich greifenden spirituellen und moralischen Relativismus" und rief die Jugendlichen zur Mission unter ihren Altersgenossen auf. Aber auch wenn Spanien noch immer eines der christlichen Kernländer Europas ist, wird Papst Benedikt XVI. kein leichtes Heimspiel haben.