Bei einem Bombenanschlag vor dem Obersten Gericht in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind mindestens elf Menschen gestorben und etwa 60 weitere verletzt worden. Es wird befürchtet, dass die Opferzahl weiter steigt. Der Sprengsatz war den Behörden zufolge in einer Aktentasche am Eingang vor dem Gebäude platziert.

Die Bombe explodierte am Vormittag kurz vor den ersten geplanten Anhörungen des Tages vor einem der Haupteingänge des zentral gelegenen Gebäudes. Berichten zufolge warteten etwa 150 Menschen auf Einlass.

Sicherheitskräfte riegelten den Tatort weiträumig ab, die Polizei stellte Teile der zerstörten Tasche sicher.

"Wir haben auf unseren Anwalt gewartet, als es eine heftige Explosion gab", sagte ein Augenzeuge, "dann lagen Körperteile um uns herum und Menschen schrien."

Nach Medienberichten ist der Anschlag ein Racheakt

Die Tat sei ein Versuch, das Land zu destabilisieren und Angst zu schüren, hieß es in einer Erklärung von Innenminister Palaniappan Chidambaram. Die indische Hauptstadt sei "ein Ziel für terroristische Gruppen". Derzeit sei es aber noch nicht möglich, die Täter ausfindig zu machen, sagte Chidambaram. Er sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus und rief das Land zur Einheit auf.

Nach Medienberichten haben sich Islamisten zu dem Bombenanschlag bekannt. Die Terrorgruppe Harkat-ul-Jihadi-e-Islami (HuJI), die von den Nachbarländern Pakistan und Bangladesch aus operiert, übernahm in einer E-Mail an mehrere indische Medien die Verantwortung für die Tat. Innenministerium und Sicherheitsbehörden prüften die Echtheit des Schreibens.


Erst Mitte Juli waren bei einer Anschlagserie in der westindischen Finanzmetropole Mumbai mehr als 20 Menschen getötet worden. Die Täter sind noch unbekannt.

Die Organisation HuJI war bereits in der Vergangenheit für Attentate in Indien verantwortlich gemacht worden. So soll die Gruppe unter anderem einen Anschlag in der Stadt Guwahati im nordostindischen Bundesstaat Assam verübt haben, bei dem im Oktober 2008 mehr als 80 Menschen getötet und etwa 400 verletzt worden waren.