Die Aussagen von zwei ehemals führenden Mitarbeitern der inzwischen eingestellten Zeitung News of the World bringen James Murdoch in Bedrängnis. In einer Anhörung vor dem zuständigen Parlamentsausschuss beschuldigten ihn Ex-Redakteur Colin Myler und Hausjurist Tom Crone, weit früher von den Vorgängen gewusst zu haben, als er selbst vor dem Ausschuss angegeben hat.

Konkret geht es um eine E-Mail an einen früheren Chefreporter des Blattes. Die Mail aus dem Jahr 2005 enthalte Abschriften von Telefon-Mitschnitten, sagte Myler. Aus ihr sei hervorgegangen, dass das illegale Abhören von Mobilfunktelefonen kein Einzelfall gewesen sei. Myler habe sie Murdoch gemeinsam mit Crone im Jahr 2008 vorgelegt. Damals sei sie für eine außergerichtliche Einigung mit dem Chef des Fußballverbands, Gordon Taylor, relevant gewesen. Taylor ging wegen illegalen Abhörens gegen das Unternehmen vor. "Um den Fall beizulegen, mussten wir ihn Murdoch erklären und sein Einverständnis erhalten", sagte Crone. Dieses sei auch erteilt worden.

Laut Guardian hat James Murdoch dieser Darstellung erneut widersprochen. Er bleibe bei seiner Aussage vom Juli. Damals hatte er vor dem Ausschuss behauptet, keine Kenntnis von diesen E-Mails gehabt zu haben. Sie seien ihm von Myler und Crone verheimlicht worden. Als Chef des Europageschäfts der News Corp war James Murdoch für die News of the World verantwortlich.

Justiz ermittelt im Abhörskandal

Der Skandal um abgehörte Mobilfunktelefone und bestochene Polizisten soll auch juristisch von einem Komitee untersucht werden. Der zuständige Richter Brian Leveson kündigte an, er werde "Kultur, Praktiken und Ethik" der Presse unter die Lupe nehmen. Es werde um die Beziehung der Presse zu Öffentlichkeit, Polizei sowie Politik gehen. In einem zweiten Schritt werde er sich mit dem Ausmaß jedweden Fehlverhaltens auseinandersetzen. Die Untersuchung werde wohl mehrere Monate dauern. Innerhalb eines Jahres wolle er einen Abschlussbericht vorlegen.

Dem Richter lag eine Liste mit potentiellen Zeugen sowie möglichen Opfern vor, die sich an der Untersuchung beteiligen wollen. Darunter sind die Schauspieler Jude Law und Hugh Grant, die Eltern des vermissten Mädchens Madeleine McCann sowie Ex-Formel-1-Boss Max Mosley. Auf der Liste steht auch die ehemalige News International-Chefin Rebekah Brooks.