Bei seiner Abschlussmesse in Freiburg hat Papst Benedikt XVI. die katholische Kirche in Deutschland angesichts von Forderungen nach inneren Reformen zur Einheit mit der Weltkirche und zur Treue gegenüber dem Vatikan aufgerufen. "Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt, die Zusammenarbeit mit den Missionsländern in vielfältiger Weise pflegt und sich dabei auch von der Glaubensfreude der jungen Kirchen anstecken lässt", sagte der Papst bei der Feier einer Heiligen Messe mit etwa 100.000 Katholiken in Freiburg.

Die Erneuerung der Kirche könne letztlich nur durch einen erneuerten Glauben kommen und durch Demut, sagte er. Die Christen sollten sich dabei auch von der Glaubensfreude junger Kirchen in der Welt anstecken lassen, sagte der Papst.

In seiner Predigt kritisierte Benedikt vor allem "kirchliche Routiniers", die in der Kirche nur noch den Apparat sähen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre. "Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes" als die Routiniers, sagte das Kirchenoberhaupt der Katholiken. Das bedeute aber nicht, dass alle, die in der Kirche lebten und für sie arbeiteten, eher als fern von Gott einzustufen wären. "Ganz und gar nicht."

Auf dem Gelände des Freiburger Flugplatzes war hinter der Rollbahn eine große Altarbühne für den Papst aufgebaut worden. Für die Besucher standen Tausende Bänke bereit. Bei seiner Ankunft fuhr Benedikt XVI. mit dem Papamobil auf das Gelände. Er winkte, segnete Kinder und lächelte den Gläubigen zu. Einige hielten Plakate mit Grüßen hoch.

Bereits in der Nacht hatten sich viele Gläubige auf den Weg zum Flugplatz gemacht. Rund 5.000 Menschen hatten nach Schätzungen von Helfern bei Temperaturen im einstelligen Bereich auf dem Gelände übernachtet und sich in dicke Jacken und Schlafsäcke gewickelt. Auch am frühen Sonntagmorgen bildeten sich kilometerlange Pilgerzüge, viele Menschen nahmen mehrstündige Fußmärsche auf sich, um durch die abgesperrte Stadt zur Papst-Messe zu kommen. Schon Stunden, bevor der Papst eintraf, hatten die Gläubigen gemeinsam Lieder gesungen und sich auf die Heilige Messe eingestimmt.

Der viertägige Deutschlandbesuch des Papstes endet am Sonntagabend. Benedikt XVI. wird sich im Anschluss an den Gottesdienst noch mit der Deutschen Bischofskonferenz und mit den Richtern des Bundesverfassungsgerichts treffen. Außerdem wird er im Freiburger Konzerthaus eine Rede halten, bevor er nach Rom zurückfliegt.